
Waltraud „Walli“ Fischer
*1937
Besitzt Legendenstatus in Leverkusen
„Einmal Bayer – immer Bayer.“ So lautet der Leitspruch von Walli Fischer. Kein Wunder – mit über 1000 Pflichtspielen und lebenslanger Treue zum Verein. Mit insgesamt 60 Länderspielen konnte die gebürtige Wiesdorferin auch auf internationalem Parkett reüssieren.
Kurzbiografie
- Geboren 1937 in Leverkusen-Wiesdorf
- 1948-1976 (aktives) Mitglied des TSV Bayer 04 (1000 Pflichtspiele)
- Angestellte bei Bayer
- 1955 Debut für die Nationalmannschaft des DHB (als erste Nationalspielerin des Vereins)
- 1965 Bronzemedaille WM (1. Handball WM der Frauen in der BRD) und Ende der internationalen Karriere
- 1965, 1966, 1974 Deutsche Meisterschaft (Halle)
- 2013-? Frauenwartin des TSV Bayer 04
- 2010 Goldene Ehrennadel des TSV Bayer 04 Leverkusen
- 2013 Eintrag im Goldenen Buch der Stadt Leverkusen für ihr „Lebenswerk“
- 2015 Ehrenmitgliedschaft des TSV Bayer 04 Leverkusen
Waltraud “Walli” Fischer über …
„Das fing damit an, dass mich ein Trainer vom Verein ansprach, ob ich mal Lust hätte, zum Training zu kommen. Wir verabredeten uns, und so bin ich eigentlich durch ihn zum Handball gekommen. Er fuhr mit dem Rad durch Leverkusen und sprach Kinder an. Ich meine, da war ich zehn oder elf Jahre alt.
Sagen wir mal so, schüchtern war ich ja nie – das muss ich ehrlich sagen. Der Trainer hat mich gut eingeführt, und es hat eigentlich alles wunderbar hingehauen. Das war ja 1948.
Das Training fand draußen auf den Sportplätzen statt. Bayer hatte ja Sportplätze, und dort wurde dann trainiert.
Vom Krieg habe ich eigentlich kaum etwas mitbekommen. 1945 war der Krieg beendet, und hier in Leverkusen sind ja keine Bomben gefallen. Später hieß es, dass das Bayerwerk bewusst verschont wurde. So war ich dann bei Bayer, habe trainiert und gespielt.
Der Trainer, der mich entdeckt hatte, hatte ohnehin eine Stelle bei Bayer, sodass das eigentlich kein Problem war.
Gott sei Dank hatten wir die Möglichkeit, mehrmals zu trainieren. Ich habe ja schon mit 15 mein Debüt gegeben. Mit 15 wurde mir erklärt, dass ich mit 16 in der ersten Mannschaft spielen sollte. Aber dann wurde ein Antrag gestellt, und ich konnte schon mit 15 in der ersten Mannschaft spielen.“
„Zu meiner Zeit gab es manchmal nur ein Länderspiel pro Jahr. Das war nicht so wie heute, wo es zig Länderspiele gibt – leider. Es gab mal eins und irgendwann ein Rückspiel.
Ich war 13 Jahre in der Nationalmannschaft und habe immer gespielt. Aber wie gesagt, es wurden leider nur sehr wenige Spiele ausgerichtet. So habe ich am Ende nur 60 Länderspiele zusammenbekommen – und das in einer Zeit, in der kaum gespielt wurde.
Bei der Weltmeisterschaft 1965 sind wir Dritter geworden. Das war toll! In der Halle haben wir eigentlich immer gut gespielt, und wie gesagt, da haben wir tatsächlich die Bronzemedaille gewonnen.
Ich meine, ein Spiel war in Dortmund in der Westfalenhalle. Da waren viele Zuschauer. Hinterher gab es ein großes Fest.
Das Spiel um Platz drei war schon mit Karacho! Aber wer bei mir auf der Seite war, der hatte Pech gehabt – dafür habe ich das einfach zu gern gemacht. Ich habe dafür gelebt, und für mich war das eine Selbstverständlichkeit.
Das Training war okay, da hatte ich ja das Glück, bei Bayer zu sein. Und wenn ich sage: ‚Ich habe das gelebt‘, dann meine ich, dass ich mir immer meine acht bis neun Stunden Schlaf geholt habe. Alles hat gepasst – das Training und die Ernährung. Wir konnten in die Polyklinik gehen und uns dort betreuen lassen. Das waren schon große Vorzüge, die wir bei Bayer hatten.“
„Meine Trainertätigkeit in Witzhelden kam durch meinen Neffen zustande. Er hat dort gespielt und gesagt: ‚Hör mal, willst du nicht unser Trainer werden?‘ Schließlich ließ ich mich überreden. Da ging dann auch noch alles, und so habe ich die Männermannschaft trainiert.
Als ich ankam und sagte: ‚So, jetzt geht es los!‘ – ich war ja Bundesliga gewohnt, die natürlich nicht – da haben sie erst mal geschaut. Sie hatten zwar einen Platz an der Halle, aber ich habe direkt klargemacht: ‚Wir treffen uns zur nächsten Trainingseinheit eine halbe Stunde früher an der Laufbahn.‘
Da haben sie natürlich geguckt. Sie dachten wohl, sie könnten einfach nur ein bisschen Handball spielen und ein bisschen kicken. Aber dafür war ich nicht da. Ich habe mit ihnen mein Programm durchgezogen – so, wie ich es aus der Bundesliga kannte. Und ich muss sagen: Sie haben wirklich alles mitgemacht, ohne zu murren.
Ich hatte sogar einen Torwart, der nicht mal wusste, wie man „Laufen“ schreibt. Aber ich habe ihm klargemacht: Auch ein Torwart muss fit sein und laufen können! Es hat gedauert, aber irgendwann hatte ich ihn so weit, dass er in die Gruppe integriert war. Und es hat funktioniert.
Nach einem Jahr habe ich gesagt: ‚Ich kann das nicht mehr, ich schaffe das nicht mehr.‘ Sie haben es zwar bedauert, aber es war eine schöne Zeit – eine wertvolle Erfahrung, sowohl für mich als auch für die Mannschaft.“
„Die Sache mit der Tasse fand ich wirklich toll. Als sie damit ankamen und sagten: ‚Guck mal hier – Legende!‘ Mit einem Foto von mir drauf. Das war eine schöne Sache.
Jetzt hat auch der Basketballer Norbert Thimm so eine Tasse. Er fragte mich: ‚Woher weißt du das?‘ Ich sagte: ‚Ja, weil ich in die Zeitung gucke.‘ Darauf meinte er nur erstaunt: ‚Och! Die schmeiße ich immer direkt weg.‘ Denn es ist die lokale Zeitung, die mit den Prospekten kommt. Er war ganz überrascht.
Damals hatten wir zwei Plätze am Stadtpark – einen für Fußball und einen für Handball. Dort war früher auch das Schwimmbad „der Suppenteller“. Wir hatten ein kleines Stadion. Heute würde das gar nicht mehr passen.
Wenn ich an die Stadien damals denke – wir haben auch mal in Köln gespielt, da wo der FC Köln ist. Diejenige, die das damals organisiert hat, ist leider schon verstorben.
Unsere zwei Plätze lagen direkt hinter dem Klubhaus. Wir waren richtig stolz, dass wir dort duschen konnten. Das war früher keine Selbstverständlichkeit. Wenn wir auswärts gespielt haben, bekamen wir manchmal einfach eine Bütt, wie man so schön sagt, hingestellt. Also sind wir meist nach Hause gefahren und haben dann dort, wo unser Klubhaus war, geduscht. Das war ein Privileg, das wir bei Bayer schon früh hatten.“