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Jürgen Kozel

*1942
In diversen Funktionen für den Wasserballsport tätig und Wissenschaftlicher Direktor an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf

Vom Studium der Mathematik und der Sportwissenschaften in Aachen und Kiel, hin zum Amt des Bundestrainers im Wasserball oder des wissenschaftlichen Direktors an der Sportschule der Bundeswehr. Für sein mannigfaltiges Engagement wurde Jürgen Kozel 2016 mit der Sportplakette NRW geehrt.

Kurzbiografie

  • Geboren 1942 in Eschweiler
  • 1966-1968 Sportreferent der RWTH Aachen
  • 1968-1979 Vorstandsmitglied und Disziplinchef Wasserball im adh (Allgemeiner Deutscher Hochschulsportverband)
  • 1974-1975 Bundestrainer Wasserball (EM- und WM-Teilnahme)
  • 1976-1987 Wissenschaftlicher Direktor an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf
  • 1976-1978 DSV-Skilehrer im Bayerischen Lehrteam
  • 1977-1980 Leiter der Beobachtergruppe Wasserball des DSV (Deutscher Schwimm-Verband) und des Bundesausschusses Leistungssport (BAL) des DSB (Deutscher Sportbund)
  • 1983-1986 Schwimmwart des DSV (Teilnahme an EM, WM und Olympischen Spielen)
  • 1987-1993 Sportreferent im Bundesministerium der Verteidigung
  • 1987-1993 Lehrteam Baden-Württemberg
  • 1988-1992 Mitglied der CISM-Akademie und der Permanenten Commission Sport des CISM (Conseil International du Sport Militaire)
  • 1993-2000 Leiter der Trainerakademie des DSB
  • 1997-2000 Generalsekretär des I.C.C.E. (International Council for Coach Education)
  • 2001-2008 Mitglied des Landesausschusses zur Förderung des Leistungssports des LSB NRW (Landessportbund Nordrhein-Westfalen)
  • 2001-2009 Vizepräsident (Leistungssport) des Schwimmverbandes NRW
  • 2005-2006 Vorsitzender der Leistungssportkommission des DSV
  • 2009-2012 Koordinator Wasserball im SV NRW (Schwimmverband Nordrhein-Westfalen)
  • 2016 Sportplakette des Landes NRW

Jürgen Kozel über …

… sein Studium und (mangelndes) Fußballtalent

„Mir hat das einfach sehr viel Spaß gemacht. Was mit Sicherheit auch eine wichtige Voraussetzung ist, damit man die Dinge, die man beigebracht bekommt, auch entsprechend schnell aufnimmt und umsetzen kann. Ich bin dann teilweise auch schon als Hilfskraft eingesetzt worden. In Kiel zum Beispiel, wo man mich dann nach Sylt mitgenommen hat. Ich habe da Studenten ausgebildet. Ich muss in Ergänzung dazu sagen, dass in Schleswig-Holstein häufiger Lehrgänge an der See durchgeführt wurden, weil die späteren Lehrkräfte an den Schulen häufig auch mit Schulklassen an die See gehen. Und da muss man natürlich wissen, wie man mit der Brandung, dem Strand und den Gefahren umgeht, die es letztendlich auch am Meeresstrand gibt. Da bin ich auch schon relativ schnell eingesetzt worden.
Ich habe damals auch schon Wasserball gespielt und hatte auch einen entsprechend sehr starken Wurf. Also wenn es nachher zum Handball kam – das war ja auch ein Teil der Ausbildung – dann gab es überhaupt keine Probleme. Mit Leichtathletik hatte ich auch keine Probleme. Immerhin bin ich mal in der Schule in Eschweiler im Hochsprung den Schulrekord gesprungen. Also das heißt, es war einfach, eine Basis da, und auch die Theorie hat mir Spaß gemacht. Ich habe da letztendlich keinerlei Probleme gehabt.
Ich habe zwei Staatsexamen. Das Staatsexamen in Mathematik und eins im Sport. Da war ich aber schon mehr oder weniger in Heidelberg angenommen. Wobei der damalige Chef, ein ehemaliger Speerwerfer, zu mir gesagt hat: ‚Das Examen im Sport, das muss natürlich noch abgeschlossen werden.‘
Ich habe also dann ein, zwei Monate später noch den Abschluss gemacht und dann war ich Assistent unten in Heidelberg.
Aber da habe ich noch eine Bemerkung. Ich hatte ja am Anfang schon mal erzählt, dass ich, wenn es um Fußball ging, natürlich ins Tor gestellt wurde, weil man wusste, dass ich da nicht viel mit anfangen konnte. Und ich musste leider Gottes natürlich auch in Aachen an der TH eine Fußballprüfung machen. Die Fußballprüfung war unter anderem eine der praktischen Prüfungen. Wir sollten den Ball hoch halten. Das ist mir absolut nicht gelungen. Woraufhin der Direktor des Instituts damals zu mir kam – der mich scheinbar auch entsprechend geschätzt hat, weil ich ja viel in Aachen durch die Hochschulmeisterschaften, den AStA, als Sportreferent usw. viel engagiert war. Er hat gesagt: ‚Wenn Sie mir versprechen, dass Sie nicht verraten, dass Sie bei uns die Fußballprüfung gemacht haben, dann kriegen Sie jetzt eine 4− und damit haben Sie bestanden.‘ – Ich habe danach auch nie mehr Fußball gespielt.“

… die Wasserball-Bundesliga

„In den 1960er-Jahren haben wir natürlich angefangen, im Verein mit Klubkämpfen und Bezirksmeisterschaften. Es gab früher, was es heute leider nicht mehr gibt: Deutsche Hochschulmeisterschaften im Wasserball. Und da war ich nun sehr schnell auch prägend, auch schon mit den Aachenern. Wir sind zwei, dreimal Vizemeister bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften gewesen. Und ja, man lernt dadurch natürlich auch Wasserballspieler aus anderen Universitäten kennen, die teilweise auch schon in der Nationalmannschaft waren. Und als ich dann im Adh war, wurde sehr schnell klar, dass ich Disziplinchef für Wasserball werde.
Die erste Universiade, die ich dann mitgemacht habe, war 1970 in Turin, und dann 1973 war die nächste in Moskau. Und dann, 1976, war ich in Sofia. Und da bin ich jeweils als Studentenpfarrer verantwortlich für die Hochschulmannschaft gewesen.
Ich kriege immer noch die Zeitschriften vom Adh, habe aber nie mehr was gelesen über Wasserball oder sowas und habe da mal angerufen. Ich habe gefragt: ‚Gibt es das überhaupt nicht mehr?‘ ‚Nein, das existiert also nicht mehr.‘ Also für mich ist das natürlich etwas bedauerlich.
Es gab ja Regionalmeisterschaften. Aber ich würde mal sagen: Es ist natürlich eine Frage der Logik. Wenn man also schon Regionalmeisterschaften durchführt, dass man dann sagt: ‚Es wäre ja mal sinnvoll, festzustellen, wer von den Regionalmeistern letztendlich der Deutsche Meister ist.‘
Und so ist es dann auch zu dieser Bundesliga gekommen. Die ist 1969 eingeführt worden. Und da ich in Heidelberg auch sehr schnell bei Nikar-Heidelberg war, sind wir also ein Jahr später in die Bundesliga aufgestiegen. Ich war da als Spielertrainer aktiv. Man fuhr dann mal nach Dortmund, man fuhr mal nach Hamm, mal fuhr man nach Würzburg, mal fuhr man nach Hamburg. An den Wochenenden waren dann meistens die Spiele.“

… sein Wirken in der Sportschule der Bundeswehr und folgen der Wende

„Im Führungsstab der Streitkräfte war ein Sportreferat. Und der verantwortliche Referent war eine Zeit lang auch mal Präsident des Deutschen Verbands für Modernen Fünfkampf. Also, er kam aus dem Sport. Und das war der Kontakt, den wir zum Ministerium hatten. Das lief über Walter Grein. Dieser Kontakt zu Herrn Grein ist dann auch entsprechend gepflegt worden. Und damit der Walter Grein noch eine Stufe höher kommt, bevor er in Pension geht, hat er sich die letzten fünf Jahre nach Warendorf versetzen lassen. Was dazu geführt hat, dass ich dann in Warendorf seine Stelle als Sportreferent der Bundeswehr und des Bundesverteidigungsministeriums übernommen habe. Es war quasi ein Ringtausch, muss man sagen.

Im Ministerium ging es um die Olympiastützpunkte. Damals waren es, glaube ich, 14 oder 15, die in ganz Deutschland verteilt waren.

Der große Vorteil, den ich als ziviler Referent in einem Verteidigungsministerium hatte, war der, dass ich im Zweifelsfall den direkten Weg nach oben nehmen konnte und sagen konnte, was ich im Sinne des Sports für wichtig halte.

Und bei der Wiedervereinigung war es ja so: Die NVA hatte sogenannte Armeesportklubs, ASK-Vorwärts in Potsdam, in Frankfurt (Oder), in Rostock und in Oberhof. Eine meiner zentralen Aufgaben war es, diese ASK-Vorwärts-Institutionen in Sportfördergruppen der Bundeswehr umzustrukturieren. Und da bin ich sehr viel nach Potsdam, nach Rostock, nach Oberhof und nach Frankfurt (Oder) geflogen und gefahren, um da die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen und denen zu sagen, wie das also in Zukunft abläuft.

Es war klar, dass sich da was ändern würde, und ich hatte da auch keine so größeren Probleme. Die Leiter der Sportfördergruppen sind ja führende Unteroffiziere, also Stabsunteroffizier oder Oberstabsfeldwebel, also keine Offiziere. Und bei den Armeesportklubs war es so, dass die Vorgesetzten Offiziere waren. Und das war natürlich ein Umschwung, der den ehemaligen NVA-Mitgliedern nicht leichtgefallen ist. Die mussten also entscheiden: Entweder ich verzichte auf meinen Majors- oder meinen Oberstleutnantstitel und werde dann Stabsfeldwebel oder Oberstabsfeldwebel und kann dann die Sportfördergruppe weiterleiten. Oder ich werde versetzt in eine andere Einheit. Dann ist das Thema für mich erledigt.

Da gab es in Oberhof einen, der wirklich gut war. Den der Deutsche Skiverband dann auch integriert hat als späteren Bundestrainer, so dass der also nicht nur Oberstabsfeldwebel war, sondern nachher gleichzeitig auch noch Bundestrainer war beim Deutschen Skiverband.

Wir hatten auch ein Problem in Frankfurt (Oder), wo es einen Oberstleutnant gab, der aber dann erst Major wurde. Dem ich dann gesagt habe: ‚Also, Sie können jetzt noch zwei, drei Monate lang weitermachen, bis ich jemanden gefunden habe, der dann diese Sportfördergruppe übernimmt. Aber Sie müssen dann auf Ihren Majorsrang verzichten. Dann können Sie die Stelle übernehmen.‘ ‚Nein, das will ich nicht.‘

Dann gab es immer wieder Sitzungen mit den Leitern der Sportfördergruppen, die ich dann zusammengeführt habe. Mit denen gab es dann Diskussionen und Gespräche darüber, was getan werden muss oder wo wir nachbessern müssen. Und da war natürlich dieser Major auch dabei. Und der kriegte die ganze Diskussion mit und beteiligte sich auch. Da waren auch zwei andere Offiziere dabei, zum Beispiel aus Berchtesgaden. Und als die Sitzung fast zu Ende war, kam der zu mir und sagte: ‚Also, ich habe eine Frage. Kann ich nicht doch Oberstabsfeldwebel werden?‘ Dann habe ich gesagt: ‚Es tut mir leid, das ist jetzt zu spät. Aber können Sie mir denn sagen, was der Grund ist, weshalb Sie jetzt plötzlich diese Stelle annehmen würden?‘ ‚Ja, Sie müssen wissen, bei der NVA war der Unteroffizier das Letzte, um es mal vorsichtig zu formulieren. Aber wenn ich hier sehe, was das für kompetente und qualifizierte Leute sind. Es macht Spaß, mit denen zusammenzuarbeiten. Ich muss sagen, das würde ich gerne machen.‘ Und da habe ich gesagt: ‚Es ist leider Gottes jetzt schon anders veranlasst, und deshalb tut es mir leid. Es geht nicht mehr.‘“

… die Entwicklung des Spitzensports in Deutschland

„Also, für mich war der Sport mein Leben lang etwas, wo ich gelernt habe, mich nach den Regeln, die es im Sport gibt, zu halten. Fairness spielt bei mir eine sehr große Rolle. Ich vertrete da heute noch den Standpunkt, dass die Dinge vielleicht manchmal zu kurz kommen. Auch im Sportunterricht, dass man im Grunde genommen sagt: Es gibt von Anfang an immer Regeln, die klar sagen, was man darf und was man nicht darf. Und an die hat man sich zu halten. Und wenn man sich nicht daran hält, dann wird man, im Sport lernen wir das, dann wird man entsprechend bestraft. Und so halte ich das persönlich also auch für richtig.

Ich habe ja jetzt wieder die Leichtathletik-Europameisterschaften verfolgt. Das interessiert mich auch generell, auch wenn es um andere, größere Sportereignisse geht. Damit befasse ich mich natürlich auch und ich sehe mir das an. Und ich bin eigentlich ein bisschen enttäuscht, dass wir nach Abschluss der Spiele insgesamt neun Medaillen, eine Goldmedaille, drei Silbermedaillen und fünf Bronzemedaillen errungen haben und damit an zwölfter oder 13. Stelle liegen. Die Italiener haben 14 Goldmedaillen, das nur am Rande vermerkt. Die sind ganz vorne.

Und wenn ich an Wasserball denke, da weiß ich überhaupt nicht, wie es da weitergeht. Ob da jetzt bei Olympischen Spielen überhaupt eine Mannschaft in Erscheinung treten wird. Also, ich glaube, diesbezüglich haben wir einen großen Nachholbedarf und es muss vieles anders strukturiert werden. In der Zeit, in der ich an der Sportschule der Bundeswehr in Warendorf, auch aufgrund meiner Funktion für den Deutschen Schwimmverband, auf die Sparte Schwimmen und auf die Sparte Wasserball Einfluss hatte, so erfolgreich wie in diesen Jahren war der Deutsche Schwimmverband in den nachfolgenden Jahren nicht mehr. Aber das lag daran, dass wir uns wirklich konzentriert haben und nicht nach irgendwelchen Interessen gehandelt haben.

Später hat diese Funktion der Hagen Stamm ein bisschen übernommen. Der aber dann mehr oder weniger gesagt hat: ‚Ich sorge dafür, dass du in die Sportfördergruppe kommst, setze aber voraus, dass du dann auch Spandau Berlin wechselst.‘ Das heißt also, die Entscheidung darüber, ob jemand zum Beispiel in die Sportfördergruppe kommt, war bei ihm abhängig davon, ob er in den Verein geht, wo er der Präsident ist oder war, mit dem er dann Deutscher Meister werden wollte. Und das ist also etwas, was ich absolut nicht einsehen vermag, dass so etwas dann erfolgreich sein kann. Und wir haben auch seitdem keine großen internationalen Erfolge mehr gehabt.“

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