

Jürgen Gramke
*1939
Mr. Ruhrgebiet
Jürgen Gramke machte sich nicht nur in seiner Rolle als Direktor des KVR für das Ruhrgebiet verdient. Dank engen Verbindungen in die Wirtschaft förderte er in gemeinsam mit den Lobbyorganisationen „pro Ruhrgebiet“ und „Initiativkreis Ruhr“ den Strukturwandel im ehemaligen Kohlenpott.
Kurzbiografie
- Geboren 1939 in Schlochau (Provinz Pommern; Großdeutsches Reich; heute: Człuchów, Woiwodschaft Pommern, Republik Polen)
- 1964-1968 Studium der Rechtswissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Abschluss: 1964 Erstes und 1968 Zweites juristisches Staatsexamen. 1968 zugleich Promotion zum Dr. jur. mit einer Dissertation über Raumordnung in Deutschland
- 1971-1978 Stadtdirektor (Verwaltungschef) der Stadt Altena (bis 1975 Kreis Lüdenscheid, seither Märkischer Kreis; Nordrhein-Westfalen)
- 1978-1994 Verbandsdirektor des Siedlungsverbandes Ruhrkohlebezirk [späterer Name: Kommunalverband Ruhrgebiet (KVR), heute: Regionalverband Ruhr (RVR)]
- Ab 1981 Co-Gründer – und später Vorsitzender – des Vereins ‚pro Ruhrgebiet‘. Heute: Ehrenvorsitzender
- 1981-1982 Präsident des American Football Verbandes Deutschland (AFVD).
- 1987-1988 Koordinator des Arbeitskreises Olympische Spiele im Ruhrgebiet
- 1987-1988 Vize-Präsident des Deutschen Segler-Verbandes e. V.
- 1989 Co-Initiator und später Koordinator des Initiativkreises Ruhr(gebiet)
- 1989 Leiter des Organisationskomitees der XV. Universiade in Duisburg
- 1992 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
- Seit 1995 Vorstandsvorsitzender der Beratungs- und Lobbyorganisation Institute for European Affairs e.V. (INEA)
Jürgen Gramke über …
„Bei ‚pro Ruhrgebiet‘ habe ich neben den anderen Strukturen auch ein Kuratorium gebildet. Und wer war denn im Kuratorium drin? Da waren alle Oberbürgermeister und alle Landräte des Ruhrgebietes. Da konnten die natürlich alles Mögliche besprechen, da konnten sie auch über den Sport sprechen. Das heißt, es gab regelmäßige Sitzungen dieses Kuratoriums, völlig außerhalb von politischer Meinungsbildung. Und dazu gehörte natürlich auch zu sagen: Wir müssen die Bürgervereine in ‚pro Ruhrgebiet‘ ein Stück näher zusammenbringen. Wir müssen dem Sport selbstverständlicher machen, dass wir eine Region sind. Und wie macht man das am besten? Dann braucht man natürlich einen hehren, einen herausragenden Namen. Und deswegen kam da die Ruhrolympiade zustande.
Es ist so aufgebaut worden: Ich hatte dann jemanden, der bei mir den Sportbereich im Verband gemacht hat, einen Herr Döring. Dem habe ich gesagt: ‚Junge, du beschäftigst dich mit nichts anderem, als mit solchen Dingen.‘ Ja, und dann fing das an und ist weiter geblieben.
Ich komme auf Ihre Frage von vorhin zurück, in Bezug auf die Grenzen des Regierungsbezirks und Ähnliches mehr. Und meine Antwort darauf ist: Unser Ruhrgebiet. Und wenn man an ‚unser Ruhrgebiet‘ denkt, dann braucht man tatsächlich Klammern, die völlig von Gesetzen frei sind, die einfach Menschen zusammenführen, die Institutionen zusammenführen, die dadurch auch mehr ergeben. Und das war der Hintergrund für mich, um ‚pro Ruhrgebiet‘ zu gründen, und zwar in einer Struktur, die es vielleicht kein zweites Mal in der damaligen Zeit gab.
Ich habe gesagt: ‚Wir wollen neun Gründungsmitglieder sein und kein anderer bestimmt mit. Wer sonst Mitglied werden kann, kann nur förderndes Mitglied werden.‘ Und wer waren diese Mitglieder? Also die Reihenfolge, die ist jetzt fast beliebig. Da war jemand, der Heinemann hieß. Er war Hauptgeschäftsführer in Dortmund, der großen Halle, war daneben Vorsitzender des wichtigsten SPD-Bezirks in Deutschland – Westfalen – und war Vorsitzender des Verwaltungsrates des ZDF. Das war einer.
Der zweite war der wichtigste Finanzmensch, den wir hatten. Das war Friedel Neuber, er war Vorstandsvorsitzender der WestLB.
Der Dritte war der beherrschende Verleger. Das war Erich Brost.
Der vierte war auch Vorsitzender im Ruhrgebiet, war dann später Europaabgeordneter und Oberbürgermeister von Hamm. Das war Günter Rinsche.
Dann habe ich einen IHK-Präsidenten reingenommen, Borggräfe.
Dann habe ich jemanden reingenommen, der ein bisschen was mit dem Sport zu tun hatte und hat, nämlich den jetzigen IOC-Präsidenten, weil ich gedacht habe: ‚Junge, aus dem wird noch mal was.‘ Das war damals schon erkennbar.
Ich hatte das also so zusammengeformt, und wenn wir nachts zusammengesessen haben, einige von denen tranken ganz gerne was, dann gab es nie einen Schluck Alkohol. Und wir hatten solche Freude aneinander. Was wir diskutiert haben, und auch in einer gemeinsamen Leidenschaft diskutiert haben. Und was wir da beschlossen haben, ich sage das jetzt nur ganz leicht überhöht: Da konnte in Nordrhein-Westfalen keiner was dagegen sagen.
Wir waren im Grunde etwas mehr als 250 Unternehmen, also auch mittlere. Da waren nicht nur die Großen drin. Sodass wir davon auch die Möglichkeit hatten, auf der einen Seite einen guten hauptamtlichen Mitarbeiterstand zu haben. Und daneben eine ganze Reihe von halb- oder ganz ehrenamtlichen Kräften. Ich hatte also wirklich ein schlagkräftiges Team, völlig unabhängig vom Kommunalverband. Und ich hatte Geld. Und ich konnte sagen: Was machen wir denn alles mit dem Geld? Und da haben wir uns natürlich auch dem Sport sehr zugewandt. Mit allen möglichen Dingen von Veranstaltungs- und Vereinsförderung und Personenförderung und was noch alles da ist.“
„Beim Initiativkreis haben wir also dem Herrhausen gesagt: ‚Ja, wir brauchen viel Hilfe, wenn wir hier wirklich etwas aufbauen wollen, was der Region voran hilft und wenn wir an die deutsche Wirtschaft herantreten.‘
Was heißt deutsche Wirtschaft? Wir meinen keine Verbände, wir meinen die großen, eigentlich alle bedeutenden Unternehmen in Deutschland. Und was sagen wir denen?
Wir sagen denen: Das Ruhrgebiet war der Motor nach dem Zweiten Weltkrieg, der die deutsche Wirtschaft wieder wirklich in Schwung gebracht hat. Und das Ruhrgebiet ist oder droht der Eisenklotz am Bein der deutschen Wirtschaft zu werden, mit dem, was es auch negativ auszeichnet. Und mit diesem Satz gehen wir, wobei ich sagen muss, wir, war jetzt ein bisschen übertrieben, denn das waren fast ausnahmslos Herr Herrhausen und Foerder. Wir haben dann ausgemacht, was die wichtigsten deutschen 100 Unternehmen sind.
Dann haben wir von meiner Frau ein Schmierpapier bekommen. Und dann haben wir aufgeschrieben: Deutsche Bank, Volkswagen, Allianz. Ich will jetzt hier nicht alles durchgehen, auch Opel. Ein großes Glasunternehmen war auch dabei. Aber viele haben wir abgelehnt. ‚Die zählen wir nicht zu den bedeutenden.‘ Glauben Sie, dass ein Unternehmen ‚Nein‘ gesagt hat? Keins. Egal, ob es nun in Bayern saß oder sonst wo. Das hat natürlich auch was damit zu tun, dass es unser Ziel war, diesen Klotz am Bein nicht entstehen zu lassen. Nicht nur das Ziel hat überzeugt, sondern natürlich auch die Personen, die dahinterstanden. Und so ist der Initiativkreis entstanden, und wir hatten die Möglichkeit, dass wir ein vollwertiges Organisationsteam bei ‚pro Ruhrgebiet‘ hatten, sodass ‚pro Ruhrgebiet‘ also erst mal alles für den Initiativkreis getragen hat, bis es da richtig in die Gänge gekommen ist. Das vielleicht erst mal nur zur Einführung.
Wir haben drei Dinge festgelegt, die vielleicht auch merkwürdig zu hören sind. Wir haben gesagt: Erstens, wer einen Umsatz von mehr als 3 Milliarden hat, der bezahlt so und so viele 100.000. Und wer unter 3 Milliarden liegt, der bezahlt eben nur ein- oder zweimal 100.000, das ist das erste.
Zweitens: Wir versammeln uns alle zwei Monate zu einer Zusammenkunft. Das sind ausschließlich Vorstandsvorsitzende. Die dürfen sich nicht vertreten lassen, und keiner hat die Möglichkeit zu sagen: ‚Ich habe einen anderen Termin oder ich habe Urlaub.‘ Es war nur möglich zu sagen: ‚Ich bin krank.‘ Es war aber die ganze Zeit nie jemand krank.
Und das Dritte war: Der Gramke, wenn der Mitarbeiter braucht, dann lässt er sich nicht welche schicken, sondern er sucht sich welche aus, die er für besonders gut hält. Die kommen zu dem und sind dann auch kostenlos für den.
Ja, das war auch eine sehr nette Plattform. Deswegen brauchten wir natürlich auch ein eigenes Gebäude und anderes mehr, da will ich nicht weiter darauf eingehen. Es wurde auch alles gesagt. Wir werden also vieles tun, was das Gesicht des Ruhrgebietes nach außen verändert und drinnen mehr Motivation schafft. Und dagegen? Wer sollte dagegen sein? RAG nicht, RWE nicht, natürlich keiner.“
„Die Universiade ist also auch eine Besonderheit, die man erst mal kaum glauben kann. Ich komme an einem Sonntag Anfang März 1989 nach Hause. Irgendwann abends bei Dunkelheit, so um 20:30 Uhr. Und unsere älteste Tochter, die aber gut Englisch spricht, sagt: ‚Du Papa, da ist ein Anruf gewesen.‘ Ich sage: ‚Von wem denn jetzt? Heute, Sonntagabend?‘ ‚Ja, der hat behauptet, er sei Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. Und wenn das so richtig heißt, irgendwas mit Sammer.‘ Ich sage: ‚Kann das sein, dass der Samaranch das ist?‘ ‚Ja, könnte sein.‘
‚Was hast du ihm gesagt?‘ ‚Ich habe gesagt, du bist nicht zu Hause. Er könnte um 22:00 Uhr wieder anrufen.‘
Dann rief Samaranch an, um 22:00 Uhr und sagte: ‚Ich muss Ihnen was erzählen. Ich rufe Sie an, weil der Daume mir gesagt hat: Wenn Ihnen noch einer helfen kann, dann ist es der Gramke. Wir haben die Universiade nach São Paulo vergeben und die haben jetzt festgestellt, leider eigentlich schon in den letzten Zügen, dass sie das finanziell und organisatorisch nicht schaffen. Das ist ja schaurig, dass wir keine Universiade haben. Und dann habe ich in Seoul angerufen, hatte gehofft, da seien noch Teile des Organisationskomitees handlungsfähig. Die haben gesagt: Bei uns ist nichts mehr.
Und dann habe ich Chirac in Paris angerufen, ob er nicht … Das würde er so kurzfristig nicht können. Jetzt rufe ich Sie an. Was sagen Sie?‘
‚Ja, ich brauche von Ihnen 48 Stunden, um das zu beantworten.‘ ‚Zu gerne gebe ich Ihnen die.‘
Also, jetzt müssen Sie sich vorstellen, es ist jetzt etwa vielleicht so 22:20 oder 22:30 Uhr. Ich rufe den Herrhausen an und sage: ‚Lieber Herrhausen – wir waren mittlerweile ziemlich eng verbunden. Da hat mich der Samaranch angerufen und hat angeboten, wir könnten im Ruhrgebiet die Universiade durchführen.‘
Und das hat er mir auch gesagt: ‚Ihr Blick geht auf Olympische Spiele im Ruhrgebiet. Vielleicht könnte das ja helfen?‘ ‚Ja.‘ Sagt Herrhausen. ‚Machen wir. In diesem Moment steht die deutsche Wirtschaft hinter der Universiade. Aber wir brauchen noch ein bisschen mehr.‘ ‚Ja.‘ Sagt er: ‚Wir brauchen noch die staatliche Ebene. Jetzt ist es immer noch vor 23:00 Uhr. Ich rufe jetzt den Kohl an, den Bundeskanzler, und Sie rufen jetzt den Rau an, das ist Ihr Partner, und der Kohl ist mein Partner.‘ Dann ruft der Herrhausen nach einiger Zeit zurück und sagt: ‚Die Bundesrepublik steht hinter der Universiade, der Bundeskanzler ist der Schirmherr. Der fragt den Sportminister und erklärt für das Kabinett finanzielle Unterstützung, moralische Unterstützung, öffentliche Unterstützung. Was Sie brauchen, die stehen dahinter. Und lieber Herr Gramke, was sagt denn Ihr Partner?‘
‚Rau, den habe ich nicht erreicht.‘ Da sagt er: ‚Ich hätte aber gedacht, dass Sie auch vor Mitternacht noch ihren Rau erreichen können. Das ist also eine Beschädigung Ihres Rufes bei mir persönlich.‘ ‚Ja, ich werde das morgen früh gleich versuchen.‘ Dann habe ich Johannes Rau angerufen. Am nächsten Morgen. War ja klar, dass er begeistert sein muss. So ist das zustande gekommen. Und dann kam der nächste Punkt. Der war natürlich für mich schon ein wirklich problematischer Punkt:
Wo schafft man denn in so kurzer Zeit, also an welchem Ort, diese Spiele?
Wir haben ja nun sehr unterschiedliche Verwaltungschefs gehabt. Wo ist denn die stärkste Verwaltung im Moment? Und das war nicht in Dortmund. Es war auch nicht in Essen. Es war in Duisburg. Und dann habe ich entschieden: Wir machen die Universiade in Duisburg. Ich habe niemanden gefragt in der Verwaltungsspitze. Der Oberbürgermeister Krings wusste das gar nicht, dass wir das abgesprochen haben. Keiner wusste das. Und dann habe ich gesagt: ‚Ich brauche von dir etwa 2000 Leute. Wo immer du die herkriegst. Wir haben ja nur so wenig Zeit. Geld werden wir genug haben.‘ Personal hat er mir dann zugesagt.
Das war Dr. Richard Klein. Der ist später RWE-Vorstand geworden.
Na gut, wir beide machen das. Wir gründen morgen eine GmbH, 50 % ihr und 50 % wir. Du setzt deinen Stadtdirektor Giersch, der auch für Sport zuständig war, als Geschäftsführer ein. Ich nehme einen führenden Mitarbeiter von uns, der hieß Rühl. Und dann haben wir die Gesellschafterversammlung, das sind du und ich. Dann haben wir die Geschäftsführer, das sind beide unsere engen Vertrauten. Und dann sagst du das deinem Oberbürgermeister. Denn ein Oberstadtdirektor war damals ja auch der rechtliche Vertreter. Der konnte das machen, auch wenn das natürlich intern nicht gerade gut war. Der Krings hat immer so gedacht, dass er das schon ewig wusste, wusste aber vorher nichts. Da war er natürlich stolz. Das haben wir auch keinem gesagt, dass der erst später informiert worden ist. Und dann taucht bei mir Günter Samtlebe auf und sagt: ‚Was bist du verrückt? Das kann doch gar nicht sein! Duisburg kriegt die Universiade und nicht Dortmund. Das ist eine Schweinerei von dir, dass du das machst. Ich weiß nicht, aus welchen Gründen.‘ Da habe ich ihm gesagt: ‚Also, ich erzähle das mal ein bisschen, was meine Gründe sind, und dann ist es eben so.‘
Und dann ist es losgegangen. Und dann hatten wir also hauptamtliche Mitarbeiter und ehrenamtliche Mitarbeiter und was weiß ich, was alles gemacht. Und dann haben wir es geschafft.
Das war für das Ruhrgebiet und für Duisburg natürlich das Ereignis. Also, die Stadt war einfach fast eine Olympiastadt und war ganz begeistert. Und nachdem die Universiade gut abgeschlossen worden war, ohne Fehl und Tadel im gesamten Ablauf, haben wir gesagt: ‚Jetzt wollen wir eben mehr an Olympia denken.‘ Das war ja die Überleitung. Wir haben ja auch mit Samaranch darüber gesprochen, natürlich auch mit Thomas Bach. Und wir waren so weit, dass wir uns fast sicher sein konnten. Damals suchte man ja noch nach Austragungsorten. Das war ja völlig anders als heute.“
„Also, auf der einen Seite war ich genauso überrascht, wie Sie es sind, dass ich Präsident beim American Football geworden bin. Es gibt ja immer eine gewisse Schuld von Daume. Daume hatte mir gesagt: ‚Da entwickelt sich was bei uns in Deutschland, das kommt aber nicht richtig voran, das ist total dominiert von Ausländern. Die haben auch keine Trainingsplätze, weil die alles kaputtmachen im Training usw. Also, irgendwie Gramke, müssen Sie versuchen zu helfen. Machen Sie mal so, dass die Jahreshauptversammlung mal bei Ihnen im KVR-Haus stattfindet. Dann sehen Sie das ja mal, da sehen Sie auch die Leute und Ähnliches mehr.‘ Gut, da habe ich da also eingeladen. Wir haben da alle gesessen und ich habe ein Grußwort am Anfang gesprochen. Ich habe gesagt, dass ich auch von Daume gehört habe, also hochinteressant diese Sportart. Wenn die sich richtig entwickelt, bringt das Deutschland eine Bereicherung und dem deutschen Sport usw. Deswegen bin ich hier und deswegen bin ich auch erst mal noch anwesend, um zu hören, wie sie hier miteinander Beratung führen.
Die haben sich dann so unvorstellbar gekabbelt, unvorstellbar. Die haben sich beschimpft und Betrügereien vorgeworfen und weiß ich was alles. Und dann bin ich, ohne dass ich gefragt wurde, ans Rednerpult und habe gesagt: ‚Das ist nicht die Art, American Football in Deutschland auf den richtigen Weg zu bringen. Das ist genau alles das Gegenteil. Das müsste so und so und so eigentlich immer laufen.‘ Ich habe gesagt: ‚Jetzt hoffe ich, Sie werden vernünftiger.‘ Und habe dann den Raum verlassen, das war samstags.
Am Montagmorgen komme ich in mein Büro. Da gucken mich meine beiden Sekretärinnen an: Bist du bescheuert? Hier ist ein Telegramm gekommen und es sind Anrufe gekommen. Sie sind zum Präsidenten des American Football gewählt worden. Ich sage: ‚Das kann doch gar nicht sein. Ich habe doch gar nicht zugesagt.‘ ‚Ja, da sind Sie auch drum gebeten worden, nachträglich ‚Ja‘ zu sagen.‘
‚Ich bin völlig fassungslos. Ich muss jetzt zwei Dinge tun. Ich muss erst mal meine Frau anrufen und sagen: Jetzt musst du noch mehr Verständnis für mich aufbringen. Und zum Zweiten muss ich mich dann entscheiden, um das ‚Ja‘ telegraphisch abzugeben.‘ Das habe ich dann getan, weil ich wusste, anders geht das gar nicht, und habe auch gesagt: ‚Also, ich mache jetzt zwei Dinge: Ich gehe jetzt brutal vor im Verband mit einer Neuorganisation, und außerdem nehme ich jetzt einen Vizepräsidenten, auch wenn sie den nicht gewählt haben, den hole ich aus dem Bankenbereich, damit wir auch wirklich in Sachen Finanzen Bescheid wissen.‘
Der ist dann auch nach Frankfurt in die Hauptgeschäftsstelle gefahren, der hat da Dinge vorgefunden, das will ich auch nicht erzählen. Und dann habe ich gesagt: ‚Es gibt im Grunde drei Dinge im Verband, die zwingend notwendig sind. Auf der einen Seite müssen wir sagen: Es darf an Wettkämpfen nur teilnehmen, wer auch eine Jugendmannschaft stellt. Das zweite: Es dürfen nur Wettkampfmannschaften auftreten, wo die Mehrheit Deutsche sind und nicht Kanadier oder US-Amerikaner. Und das Dritte: Es darf auch nur jemand bei Wettkämpfen teilnehmen, der auch entsprechende Schiedsrichter stellt.‘ Und das ist auch in diesen anderthalb oder 1 3/4 Jahren herbeigeführt worden. Und da habe ich gesagt: ‚So, das war jetzt, was ich wollte, jetzt macht mal vernünftig alleine weiter.‘ Es war also eine kurze Periode.
Und meine Töchter haben gesagt: ‚Vernünftig ist das schon lange nicht mehr. Jetzt zeigt sich das noch mal ganz besonders deutlich.‘ Die haben nie ein Spiel besucht und waren auch nicht in Berlin zum Endkampf oder so was. Jedenfalls war es eine kurze Zeit und spannend im Rückblick.“
„Also, ich glaube zunächst, was selten in anderen Regionen überhaupt so vorhanden ist, dass es im Ruhrgebiet ein ausnahmslos hohes Interesse der Bevölkerung am Sport gibt. Von den Wurzelwerken angefangen bis zu all dem, was auch groß sein kann an den Ereignissen.
Und nun haben wir ja auch manche Mannschaften, die müssen wir jetzt nicht aufzählen, in den verschiedensten Sportarten, vom Wasser bis zum Ball, die hier nun wirklich stattfinden und durchaus auch national und international Interesse finden. Das ist etwas, was schon lange war, was im Grunde auch erhalten wird. Auf der anderen Seite fehlt mir hier wirklich die Linie einer Zusammenarbeit. Es läuft da was, weil da ein interessanter Kopf dahintersteht. Es läuft da etwas anders, weil da mal plötzlich irgendwelche anderen günstigen Möglichkeiten da sind. Aber nicht, dass sich das morgen und übermorgen entsprechend auch fortsetzt. Das war damals mein ursprünglicher Gedanke, dass im Grunde in eine dauerhafte Linie des Miteinanders zu bringen. Das sehe ich nicht mehr. Und dieses Thema der Olympischen Spiele, auch das ist ein Punkt, der eigentlich, bei denen, die ehrlich sind, auch ein Stück Bitterkeit im Ruhrgebiet auslöst. Weil man dem Ruhrgebiet nicht mehr zutraut, alleine Olympische Spiele durchzuführen. Es wird dann nur geredet von Rhein-Ruhr. Und das Ruhrgebiet wird auch den ein oder anderen Austragungsplatz haben. Aber Ruhr auch an zweiter Stelle hinter dem Bindestrich und vor allen Dingen nicht mehr das Ruhrgebiet alleine. Das Ruhrgebiet könnte das. Aber da steht eben nicht mehr irgendetwas dahinter. Diese tragfähige Gemeinsamkeit, das fehlt. Das ist für mich eine bittere Erkenntnis, wo ich in nächster Zeit auch keine Veränderung sehe.
(…) Also, Mronz ist ja ein toller und geschickter Kerl. Das muss man ja ohne jede Einschränkung auch sagen. Es ist ja auch nicht zufällig, dass Thomas Bach den Blick vermehrt auf ihn geworfen hat. Er ist jetzt auch Mitglied. Das habe ich also mit Anerkennung verfolgt. Wir haben ihn ja auch zu Gast gehabt im Initiativkreis, um das da vortragen zu lassen. Ich gucke das mit Respekt und mit Anerkennung, gleichzeitig mit Wiederholung meines Satzes von vorhin. Wenn ich den hätte gewinnen können, dass er nur Ruhrgebiet macht, dann hätten wir vielleicht auch noch mehr dahinter stellen können. Und ich meine auch das, was er mit Aachen gemacht hat und macht, ist ja auch eine tolle Geschichte.
Und das Ruhrgebiet hat eigentlich vollständig den Kontakt zu internationalen Fachsportverbänden verloren. Das ist vollständig verloren gegangen. Das war so intensiv.
Ich weiß, der Präsident vom Internationalen Leichtathletikverband tauchte dann bei mir auf und sagte: ‚Können Sie mir noch die Ehrendoktorwürde bei der Universität Duisburg-Essen geben?‘ Ich sagte: ‚Das können Sie so schnell nicht. Also, da müssen Sie schon ein bisschen mehr gemacht haben.‘
Wir kannten die Präsidenten und die Generalsekretäre. Was meinen Sie, wie oft ich Blatter hier gehabt habe? Ich habe ihn mit anderen Präsidenten von internationalen Sportverbänden auf Krickenberg als Gast von Neuber gehabt. Ob das nun Kanu, Rudern, Fußball, Tischtennis, Leichtathletik war: Wir waren in den internationalen Fachverbänden in den Spitzen drin. Jetzt gibt es null. Jetzt gibt es also überhaupt nicht mal mehr Grundkontakte.“