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Inge Falk

*1938
Förderin von Frauen in der Verbandsarbeit des BRSNW und LSB NRW

Inge Falk setzte sich seit den späten 1960er-Jahren für den Behindertensport von Frauen ein und etablierte eigene Sportangebote. Sie trieb maßgeblich die Satzungsänderung des BSNW (1981) sowie den Frauenförderplan (1986) voran. Ihr Engagement wirkte in einer Zeit des Wandels, als der Behindertensport sich diversifizierte.

Kurzbiografie

  • Geboren 1938 in Moers
  • 1968-1985 Mitglied Behinderten-Sportgemeinschaft (BSG) Homberg
  • 1974-2010 Mitglied im BSNW/ BRSNW
  • 1980-1994 Mitglied im Ausschuss Frauensport im BSNW
  • Seit 1985 Mitglied im BSG Moers
  • 1986-1994 Beauftrage für Frauensport im Vorstand des BSNW
  • 1986-1994 Mitglied im Frauenbeirat des LSB NRW
  • 1989-2003 Beauftrage für Frauen und Mädchen im DBS; Präsidiumsmitglied
  • 1994-2010 Stellvertretende Vorsitzende im BSNW
  • 1994 Goldenen Ehrennadel des DBS
  • 2001-2007 Mitglied im Vorstand der Rehaklinik Bensberg
  • 2002 Sportplakette des Landes NRW
  • 2002 Förderpreis des LSB „Mädchen und Frauen im Sport“
  • 2009 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
  • Seit 2010 Ehrenvorsitzende im BRSNW
  • 2010 Goldene Ehrenplakette des BRSNW (als zweite Person mit dieser Ehrung)

Inge Falk über …

… ihre Kindheit in Kriegs- und Nachkriegszeit

„In der Kriegszeit war natürlich mit dem Sport gar nichts. Auch die Schulen waren überall geschlossen. Mein Vater war damals bei der Polizei. Dann war er in Dresden stationiert, da war noch kein Krieg – da war noch alles in Ruhe. Und da bin ich mit meiner Mutter dann dorthin und in die Schule gekommen. Dann habe ich natürlich diesen großen Angriff in Dresden, wo ganz Dresden in einer Nacht zerstört wurde, miterlebt. Wir wohnten Gott sei Dank außerhalb der Stadt. Da war nicht so viel los und da war alles noch in Ordnung. Die ganze Stadt war ja zertrümmert. Das habe ich miterlebt. Und wie das dann alles so vorbei war, sind wir dann wieder zurück. Dann war ja inzwischen der Russe einmarschiert. Mein Vater wurde dann auch versetzt und eingezogen. Wir wussten gar nicht mehr, wo der war. Ich musste mit meiner Mutter dann zurück und da haben wir zehn Tage gebraucht, um von Dresden auf einem offenen Güterwagen wieder nach Moers zu kommen. Mein Vater war inzwischen auch schon wieder in Moers eingetroffen und wir fanden uns dann alle wieder. Dann ging es natürlich weiter. Dann war Kriegsende und dann bin ich – um auf den Sport zu kommen – als Kind in den Sportverein, den MTV Scherpenberg, eingetreten. Da habe ich mich mit dem Sport vertraut gemacht. Ich war da so etwa 10 Jahre alt.

Turnhallen gab es ja gleich nach dem Krieg noch nicht. Es war in einer Gaststätte, die einen riesengroßen Saal hatte, wo auch dieser Verein schon seine Herkunft hatte. Da hatten wir dann jede Woche unseren Sportabend. Mir hat das sehr viel Spaß gemacht. Da war eben auch Freizeitgestaltung dabei. Da gab es Zeltlager und viel mehr. Wie gesagt, es war eigentlich sehr interessant und da bin ich dann geblieben. Bis dann hinterher die Zeit kam, wo man heiratete und Kinder bekam. Und da mein Mann eben in der Behindertensportgemeinschaft Homberg war – weil er durch einen Berufsschaden seinen Unterschenkel verloren hatte – bin ich dann auch Mitglied dort geworden. Und wie gesagt: Der Behindertensport war aus der Geschichte heraus sehr männerdominiert – Versehrtensport hieß es ja am Anfang, was ich aber nicht mehr genau weiß. Ich bin damals schon 1968 in den Behindertensport gekommen.“

… den Aufbau einer Frauenriege in der BSG Homberg

„Wie gesagt, es waren Frauen. Ich sagte bereits, dass eine sogar kriegsbeschädigt war, weil sie in den Trümmern irgendwie zu Schaden gekommen war. Eine andere hatte MS. Zwei weitere hatten Rückenprobleme, also etwas am Spinalkanal, durch eine Krankheit bedingt. Das waren erst mal diese vier oder fünf Frauen, und das hatte sich dann auch schnell rumgesprochen. Bis dahin hatten Frauen mit Behinderung keine Möglichkeit, denn im Normalsport kamen sie nicht unter.

Wir hatten dann durch Mundpropaganda immer mehr Zuwachs, und die Gruppe wuchs. Hinterher waren es dann 20 Frauen. Ich hatte eine ganz tolle Gruppe zusammen. Nur war auch der Verein männerdominiert. Wenn die ihr Aufwärmen machten und zum Sportabend kamen, wurde immer nur Aufwärmgymnastik gemacht – wie es so üblich war. Dann habe ich immer gesagt: ‚Das ist wie auf dem Kasernenhof. So kann das nicht sein.‘ Aber die waren es nicht anders gewohnt.

Dann habe ich, als ich meinen Übungsleiterschein hatte und auch Erfahrung vom Turnen mitbrachte, ein bisschen Gymnastik mit Musik gemacht. Das war ganz fürchterlich für diese Teilnehmer. Wenn der Vereinsvorsitzende nicht hinter mir gestanden hätte – ich war ja noch recht jung – dann hätte ich das, glaube ich, nicht durchgestanden. Der Vorsitzende hat gesagt: ‚Das wird hier weitergemacht!‘ Aber ach, die Gymnastik mit Musik war für diese Männerliga da ganz fürchterlich. Der Vorsitzende wollte es auch so, wie ich es anbot. Er hat mir den Rücken gestärkt, und das haben wir auch so gemacht. Nach einer gewissen Zeit, wenn wir mal keine Musik dabei hatten, sagten sie: ‚Heute nicht mit Musik?‘ Aber es hat eine lange Zeit gebraucht, bis sie sich daran gewöhnt hatten. Wenn man immer so kritisiert wird und immer wieder dieses Gebrummel und Getue hört – ‚Oh, das wollen wir nicht, wir kennen und machen das anders‘ – da habe ich gesagt: ‚Wer das jetzt nicht so will, der kann nach Hause gehen.‘ Da hatte ich natürlich was gesagt. Aber wie gesagt, durch die Unterstützung des Vorstandes konnte ich das durchhalten.

Das war eine normale Turnhalle, ein Gymnastikraum. So konnten wir das trennen. Die Männer machten ihre Sportangebote in der großen Turnhalle, und wir hatten dann den Gymnastikraum für uns. Hinterher, nach längerer Zeit, wurde es dann eine gemischte Gruppe, und auch die Männer interessierten sich dafür, was wir da machten.

Wir haben uns einmal in der Woche getroffen, immer montags. Das hat mir sehr viel Spaß und Freude gemacht, vor allen Dingen auch, weil es mein Ziel war, diesen Personenkreis, der sonst keine Möglichkeit hatte, Sport zu betreiben, doch noch in Bewegung zu bringen. Wir hatten einen sehr guten Kontakt miteinander. Wir haben später auch Turniere und Sportfeste auf der Bezirksebene ausgerichtet und mit anderen Vereinen Kontakt aufgenommen. Da ich auch in dem Bezirk war und den Auftrag hatte, das in die anderen Vereine weiterzugeben, wuchs der weibliche Mitgliederanteil. So haben wir dann später gemeinsame Sportfeste organisiert.“

… Frauen in Vorstands- und Führungsrollen

“Ich wurde dann vom Landesvorsitzenden vorgeschlagen, um im Frauenbeirat des LSB mitzuwirken. Es gab dort immer eine Hauptvorstands-Vollversammlung, so nannte sich das im LSB. Dann gibt es ja Kandidaten, unter anderem auch mich, und da habe ich dann gedacht: Na ja, da kennt mich kein Mensch, da werde ich mit Sicherheit nicht nominiert oder berufen. Ich hatte mich aber auf diese Vorstellung vorbereitet und wurde als Erste gewählt. Der LSB hat sehr viel Zusammenarbeit mit dem Behindertensportverband geleistet, das muss ich einfach mal sagen. Ich war da sehr angesehen.
Die Mitarbeit im Frauenbeirat beschäftigte sich stark mit diesem Frauenförderplan. Die Frauen hatten ja auch Probleme, sich den Männern gegenüber durchzusetzen. Ich habe dann immer mit den Männern zusammengearbeitet. Das galt auch für meine Ziele, Vorhaben und Vorschläge: Immer mit den Männern gemeinsam – nie dagegen, sonst wäre ich da nicht durchgekommen.

In den anderen Fachverbänden wurde das aber anders gesehen. Da waren die Männer immer – ich sage das jetzt einfach mal so – die Täter. Und da konnte ich mich nicht mit identifizieren.
Nachdem ich im Frauenbeirat ein bisschen Erfahrung gesammelt hatte, habe ich in meinem Verband den Vorschlag gemacht, die Satzung zu ändern und alles Mögliche umzusetzen, einschließlich des Frauenförderplans.
Nachdem ich dann stellvertretende Vorsitzende wurde, fragten mich die Frauen im Beirat: ‚Wie hast du das gemacht?‘ Und ich antwortete: ‚Indem ich mich mit den Männern zusammengetan habe. Ich habe mir nichts gefallen lassen und wollte meine Ziele durchsetzen. Aber ich habe mich mit den Männern zusammengetan und nicht dagegen. Sonst wäre das nichts geworden.‘

Mädchen und Frauen sollten in den Sport, die Verwaltung und die Vorstände mit einbezogen werden. Zu der Zeit gab es ja überhaupt keine Frauen in diesen Bereichen. Die Frauen sollten dort einbezogen werden – das war mein Ziel.
Wie sollte das erreicht werden? Nachdem ich ein Vorbild war und auch im Vorstand, haben wir dann auch Lehrgänge und alles Mögliche angeboten, um die Frauen dort einzuweisen und ihnen den Mut zu machen, in ihrem Verein tätig zu werden.
Ich war einfach sehr beharrlich. Und ich hatte ja mein Konzept: Die Frauen im Vorstand eines Vereins, eines Bezirks und später im Landesverband sollten Mitsprache erhalten. Dass Frauen dort für Frauen arbeiten konnten.

Es wurde immer gefragt: ‚Was ist Frauensport?‘ Da ist mir irgendwann der Kragen geplatzt. Ich habe dann in einem Männergremium gesagt: ‚Also, so dumm, wie ihr jetzt fragt, könnt ihr gar nicht sein.‘
Die fragten immer: ‚Was ist Frauensport?‘ Das war so dumm. Das ging mir so auf den Geist, immer wieder diese Frage. Frauensport: Das waren die Sportarten und Angebote, die Frauen im Breitensport mögen. Im Leistungssport war das gleichgesetzt, da brauchten wir nicht drüber reden. Aber im Breitensport war das schon ein Unterschied. Das sagte ich ja: Gymnastik mit Musik und spielerische Dinge. Das war doch alles für Frauen viel angenehmer.“

… Lehrgänge des BRSNW in Langewiese

„Ich weiß wohl, wie es in München bei der Olympiade war. Die deutsche Olympiamannschaft wohnte in einem Container. Und als die Spiele zu Ende waren, bekam der Behindertensportverband Nordrhein-Westfalen diesen Container. Sie sollten sich ein Gelände beschaffen, und der damalige Vorsitzende, Rosslenbroich, hatte Kontakte im Sauerland, in Langewiese. Dort wurde ein Grundstück erworben. Der Container kam von München runter und wurde dann durch die Hilfe von Vereinen aus Gelsenkirchen und Marl-Hüls aufgebaut.

Ich selbst habe das nicht mehr erlebt, aber ich weiß es aus der Geschichte. Die Vereinsmitglieder halfen beim Aufbau. Besonders der Wintersport spielte dort eine Rolle, denn Langewiese liegt am Kahlen Asten. Es bot sich also an, dass dort Freizeit- und Wintersport-Lehrgänge abgehalten wurden.

Von dem Container ist heute nichts mehr zu sehen. Der Container wurde mit einem großen Anbau erweitert, und ein weiteres Grundstück wurde gekauft. Das Gelände wurde als Ausbildungszentrum genutzt. Lehrgänge der Stadt und Jugendfreizeiten wurden dort angeboten. Vereine konnten es anmieten und ihre Freizeiten dort abhalten. Leider wurde das Gelände im vergangenen Jahr verkauft. Es war für den Verband nicht mehr tragbar.

Ich habe das viele Jahre lang geleitet und verwaltet, auch mit der Geschäftsstelle in Duisburg. Es war eine wirklich gute Einrichtung. Dort haben wir auch Frauen zu Lehrgängen und Besprechungen zusammengerufen. Es war eine gute Möglichkeit, und die Vereine beteiligten sich immer sehr. Man merkte auch den Zuwachs der Frauen und hin und wieder, dass Frauen sich an Führungsaufgaben beteiligten. Das wuchs alles in Langewiese. Das war alles ehrenamtlich. Meine ganze Tätigkeit war ehrenamtlich, und ich habe es auch gerne gemacht – mein Mann, der war auch sehr dafür begeistert. Aber wie gesagt, das Gelände wurde im letzten Jahr verkauft, weil es nicht mehr tragbar war. Der Käufer muss ein Unternehmer gewesen sein, der sich dafür interessierte, und jetzt baut er dort Wohnungen. Das ganze Gelände war noch gar nicht als Wohngebiet erfasst. Das musste erst geregelt werden, und dann hat der Unternehmer das gekauft.“

… Freizeitfahrten des Verbands

„Der Verband hatte das ja dann in die Wege geleitet. Wir hatten den Jugendausschuss, der das natürlich auch unterstützte. Die Anträge wurden gestellt, und der Verband finanzierte das teilweise mit. Auch die Eltern erhielten Zuschüsse, und so wurde das alles finanziert. Ich habe das 15 Jahre gemacht, und danach hat es eine Frau, Czerwonka aus Remscheid, noch ein paar Jahre weitergeführt. Als ich 60 Jahre alt wurde, sagte ich: ‚So, jetzt muss es gut sein.‘ Aber inzwischen gibt es das schon seit zwei oder drei Jahren nicht mehr.

Die Eltern waren uns immer sehr dankbar, dass sie ihre Kinder für diese Zeit abgeben konnten. Doch wir hatten auch viel mit der Außenwelt zu kämpfen. Wenn wir unsere Spaziergänge machten und den Leuten begegneten, dann wurden wir oft nicht mal beachtet. Aber sobald wir vorbeigegangen waren, blieben die Leute stehen und starrten uns an, als wären wir ein kurioser Anblick. Ich habe dann immer gesagt: ‚Die beißen nicht, die tun nichts.‘

Wir mussten wirklich kämpfen, besonders was die Gesellschaft und die Außenwahrnehmung betrifft. Ich kannte da kein Pardon. Wenn wir unterwegs waren, besonders im Sommer, gingen wir oft Wasser trinken, Kaffee trinken oder Eis essen. Wir besuchten auch Restaurants – da fragte ich vorher immer nach, und es war meistens in Ordnung. Aber diese Blicke, die wir immer wieder erhielten, das war schon schwer. Wir hatten wirklich ein Auge für solche Reaktionen.

Manchmal sind Menschen wirklich hemmungslos. Aber man muss mit dieser Art von Verhalten umgehen können. Heutzutage sieht man das ja auch, wenn ein Rollstuhlfahrer über die Straße fährt und ein Hindernis auftaucht, bei dem er Hilfe braucht. Viele Leute haben dann Berührungsängste, und das finde ich sehr schlimm. Sehr, sehr schlimm.

Mein Mann sagte immer: ‚Wie kannst du das alles nur so machen?‘ Er sagte auch: ‚Um Gottes willen, mach das.‘ Aber er hat mich immer unterstützt. Ohne seine Unterstützung hätte ich das gar nicht geschafft. Die ganze Arbeit war ehrenamtlich und zeitaufwendig. Ich hatte auch zwei Kinder, aber mein Mann hat mir immer den Rücken gestärkt.“

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