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Fittko_Esther

Esther Fittko

*1953
Leichtathletikfunktionärin

Als Jugendliche konnte Esther Fittko einige Erfolge auf der Mittelstrecke feiern. Über ihre Trainertätigkeit in Troisdorf und ehrenamtliche Arbeit im LVN begann Sie ihre Karriere als Funktionärin, welche sie über den DLV hinaus zu World Athletics und European Athletics brachte. Ihren Fokus legte Sie dabei auf die Jugendarbeit und Genderfragen.

 

Kurzbiografie

  • Geboren 1953 in Denkendorf, Esslingen
  • 1968-70 TSF Esslingen, Volleyball
  • 1970-74 LG Filder, Leichtathletik
  • 1974-1979 Studium, Deutsche Sporthochschule Köln (Sportwissenschaft) und Universität zu Köln (Germanistik)
  • 1979-1984 TV Staufen im Breisgau, Leichtathletik
  • 1985-2000 Troisdorfer LG (TLG), Leichtathletik
  • 1992-2000 TLG Schülerwartin, Nachwuchskoordinatorin
  • 2000-2024 TV Kaldauen/LAZ Siegburg, Leichtathletik
  • 2000-2010 LVN Jugendvorsitzende, Präsidiumsmitglied
  • 2002 Projektmanagerin „kids athletics“ in Kooperation mit der UN Mission im Kosovo
  • 2009-2017 DLV Vizepräsidentin Jugend
  • 2011-2019 IAAF/ World Athletics, u.a. Vorsitzende des Women’s Commitee
  • 2017-2023 EA / European Athletics, u.a. Vorsitzende der EA-Taskforce für Geschlechtergleichstellung
  • 2017 DLV Ehrenring

Esther Fittko über …

… ihren Umzug ins Rheinland

„Ich hatte zunächst Familie. Ich habe mich dann eben um die Familie gekümmert. Ich war verheiratet. Mein Mann war auch Leichtathlet, und ich habe dann wieder die Kontakte zu den Vereinen gesucht – zunächst in unserer Heimat, südlich von Freiburg, in Staufen im Breisgau. Ich habe wieder angefangen, mal reingeschaut und habe ganz schnell eine Trainingsgruppe gefunden, in der ich auch selbst wieder trainieren konnte. Die Kombination aus Wettkampf, dem Training von Jüngeren und dem Lernen von anderen Trainern hat mich sehr fasziniert.

Damals habe ich dann Hildegard Falk-Kimmich wiedergetroffen, die ebenfalls in Staufen im Breisgau lebte und mit ihren Kindern dort auf dem Platz war. Wir haben bis heute Kontakt und freuen uns, wenn wir uns irgendwo bei Deutschen Meisterschaften treffen. Damals war das für mich der Start in meine Trainerlaufbahn. Ich habe noch einmal Wettkämpfe bestritten, einen Siebenkampf absolviert und bin bei Landesmeisterschaften dreimal die 800 Meter gelaufen. Das hat mir immer Spaß gemacht – Wettkampf war immer mein Ding.

Dann sind wir 1984 oder 1985 nach Köln gezogen. Mein Mann wurde wieder versetzt. Damals habe ich dann den Kontakt zur Troisdorfer LG gesucht, wo ich viele Jahre als Trainerin tätig war und erste Erfahrungen in ehrenamtlicher Vereinsarbeit gesammelt habe. Ich war Schülerwartin und Nachwuchskoordinatorin und habe somit den gesamten Nachwuchsbereich verantwortet. Das umfasste eine große Anzahl an Kindern, Jugendlichen und Trainern. Es war ein gut strukturiertes Konzept, und ich konnte auf das zurückgreifen, was ich ursprünglich gelernt hatte, und es weiterentwickeln.

Dort hatte ich auch meinen ersten Kontakt zum Leichtathletik-Verband Nordrhein, von dem ich Trainerausbildungen nach Troisdorf geholt habe, um unsere Trainer weiterzubilden. Das war wohl mein Einstieg in die Verbandsarbeit.

Mein Mann war Berufssoldat, und mit den Versetzungen ist es oft so, dass man sich immer wieder neu orientieren muss. Köln war damals das Zentrum der Luftwaffe, wo er eine neue Aufgabe übernahm. Gleichzeitig war er schon immer Leichtathlet gewesen und entwickelte sich in diesem Bereich als Kampfrichter weiter – bis hin zum Starter im Deutschen Leichtathletik-Verband und im Internationalen Europäischen Verband.

Wir als Familie sind ihm gefolgt, haben aber hier im Rheinland schließlich unsere neue Heimat gefunden, weil er Möglichkeiten hatte, langfristig dort zu bleiben und sich zwischen Köln und Bonn weiterzuentwickeln. Wir wohnten in Niederkassel, und von dort aus war Troisdorf logistisch gut erreichbar. Zudem war Troisdorf als Verein bekannt für eine engagierte Leichtathletik-Abteilung. Er wurde ursprünglich als reiner Leichtathletikverein gegründet und später um weitere Abteilungen ergänzt.

Dort habe ich schnell Fuß gefasst und die Möglichkeit bekommen, als Trainerin zu arbeiten und mich weiterzuentwickeln. Troisdorf hatte eine interessante Wettkampfreihe und richtete regelmäßig Veranstaltungen aus – bis hin zu internationalen Wettkämpfen. Ich war dort nicht nur in der Organisation aktiv, sondern auch als Schiedsrichterin tätig.“

… ihren Einstieg ins Funktionärswesen

 „Heute trainiert man auch im Winter auf den Leichtathletik-Anlagen. Wenn ich an Leverkusen, Düsseldorf oder andere Städte denke, gibt es mittlerweile überall Indoor-Anlagen. Zudem gibt es eine eigene Wintersaison in der Halle. Zu meiner Zeit – sowohl während meiner eigenen sportlichen Laufbahn als auch zu Beginn meiner Trainertätigkeit – lag der Fokus im Winter jedoch auf der Basisausbildung. Es wurde viel Crosslauf gemacht, und die Grundlagen wurden gelegt, um im Frühjahr wieder auf die Bahn zu gehen.

Heutzutage gibt es deutlich mehr Verletzungen, wenn das ganze Jahr über ausschließlich auf Kunststoffbelag trainiert wird. Ich bin auch der Meinung, dass die Gesamtmotorik darunter leidet. Man denkt, dass man konsequent Technik trainieren kann, aber oft bringt ein alternatives Training mit viel Fantasie junge Athleten weiter, als wenn sie nur stereotyp Technikübungen auf der Bahn absolvieren.

Natürlich gab es Veränderungen. Eine davon ergab sich, als der LVN (Leichtathletik-Verband Nordrhein) an mich herantrat und fragte, ob ich bereit wäre, als Jugendwartin zu kandidieren. Ich wurde schnell gewählt, da es nicht viele Bewerber gab.

Allerdings zeigte sich bald ein Konflikt zwischen meinem Amt und meiner Trainertätigkeit. Ich konnte nicht gleichzeitig eine Wettkampfleitung übernehmen oder in der Jury sitzen und parallel als Trainerin meine Athleten vor Ort betreuen – das war schwer zu vereinbaren.

Hinzu kam eine schwierige Phase im Troisdorfer Verein. Es gab interne Streitigkeiten, die zur Abspaltung eines Teils des Vereins führten. Ich befand mich mitten in diesem Konflikt, weil ich eigentlich mit allen gemeinsam etwas entwickeln wollte. Ich war immer der Überzeugung, dass man kritische Geister in die Arbeit einbinden sollte, anstatt gegen sie zu arbeiten. Doch das Klima entsprach nicht mehr dem, was ich mir wünschte.

Schließlich verabschiedete ich mich vom Verein und beendete auch meine Trainertätigkeit komplett. Das fiel in eine Phase, in der sich meine Ämter so stark entwickelten, dass ich ohnehin keine Zeit mehr gehabt hätte, regelmäßig als Trainerin auf dem Platz zu stehen. Als Trainerin muss man mehrmals in der Woche abends präsent sein und an den Wochenenden Wettkämpfe betreuen – das wäre nicht mehr machbar gewesen. Ich denke aber, dass es eine natürliche Entwicklung war.

Rückblickend habe ich mich wahrscheinlich geehrt gefühlt, dass man überhaupt auf mich aufmerksam wurde. In Troisdorf hatte ich als Nachwuchskoordinatorin bereits den gesamten Nachwuchsbereich organisiert, strukturiert und inhaltlich weiterentwickelt. Ähnliches dann auf einer anderen Ebene und mit neuen, interessanten Menschen zu gestalten, hat mich gereizt.

Den LVN kannte ich bereits durch meine Arbeit als Kampfrichterin, und so war der Einstieg in die Jugendarbeit eine spannende Herausforderung für mich. Plötzlich stand nicht mehr nur der Sport als Wettkampf, Technik und Ergebnis im Mittelpunkt, sondern die jungen Menschen selbst. Es ging darum, Angebote für sie zu schaffen und sich damit auseinanderzusetzen, wie dieser Sport mit und für sie gestaltet wird. Genau das hat mich besonders fasziniert.“

… Stationen als Funktionärin

„Rückblickend, wenn ich meine Stationen im Leichtathletik-Verband Nordrhein durchgehe, dann habe ich dort zunächst unglaublich viel gelernt. Ich habe die Verbandsarbeit aus erster Hand kennengelernt, ebenso die Gremienarbeit und die formalen Abläufe politischer Prozesse. Ich habe mich dabei nie aktiv in den Vordergrund gedrängt – vielmehr wurde ich gefragt, ob ich kandidieren möchte, weil ich durch mein Handeln und meine Arbeit aufgefallen war.

Ein prägendes Erlebnis war meine Wahl zur Stellvertreterin im Deutschen Leichtathletik-Verband. Ich erinnere mich, dass ich mit nur einer Stimme Mehrheit gewählt wurde – meiner eigenen. Seitdem sage ich allen: „Leute, stimmt für euch selbst, wenn ihr kandidiert! Ihr müsst wissen, was ihr wollt!“ Diese Wahl war für mich eine entscheidende Schaltstelle, um überhaupt in den Deutschen Leichtathletik-Verband einzutreten und dort weiter zu lernen. Ich konnte wertvolle Kontakte knüpfen und die Menschen kennenlernen, die Verantwortung trugen. So arbeitete ich beispielsweise mit Theo Ruß und Clemens Prokop zusammen, den ich als Präsidenten sehr schätzte. Vertrauen aufzubauen dauert jedoch seine Zeit.

Ich erinnere mich an eine Präsidiumssitzung in Frankfurt, als Helmut Digel – damals IAAF-Vertreter – plötzlich sagte: „Es stehen IAAF-Neuwahlen an, wir brauchen noch jemanden für das Women’s Committee. Das machen Sie!“ Ich war überrascht und dachte nur: „Meint er wirklich mich?“ Doch als auch Clemens Prokop zustimmend nickte, gab es für mich keinen Grund zu widersprechen. Ich wurde dann tatsächlich in das Komitee gewählt – nicht als Vorsitzende, wie ursprünglich vorgeschlagen, aber als Mitglied. Helmut Digel erklärte mir später: „Das war genau die richtige Strategie – wenn man eine Kandidatin als Vorsitzende vorschlägt, steigen ihre Chancen, überhaupt ins Komitee gewählt zu werden.“

Damals hatte ich noch kaum Erfahrung mit der Genderthematik oder Frauenpolitik auf internationaler Ebene. Natürlich kannte ich Themen der Jugendförderung, aber die Übertragung auf Genderfragen im Weltsport war Neuland für mich. Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Doch mit Ilse Bechtold an meiner Seite fand ich schnell in meine Rolle hinein und entdeckte eine völlig neue Welt, die mich sehr faszinierte.

Im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) wurde ich zunächst 2009 als Stellvertreterin gewählt – damals noch ohne Sitz im Präsidium. Mein Fokus lag auf der Jugendarbeit, insbesondere auf der Entwicklung der Kinderleichtathletik. Es ging darum, neue Wettkampfformen für Kinder und Jugendliche zu entwickeln, die ihre Bedürfnisse und Fähigkeiten besser berücksichtigten.

Vier Jahre später wurde ich dann zur Vorsitzenden gewählt und übernahm die gesamte Jugendarbeit im Präsidium. Wenn man bedenkt, dass ich für rund 400.000 jugendliche Leichtathleten in Deutschland die Stimme hatte, dann war mir diese Verantwortung sehr bewusst. Ich habe diese Aufgabe sehr ernst genommen – nicht nur, um die klassische Jugendarbeit zu vertreten, sondern auch, um Veränderungen anzustoßen. Doch das war harte Arbeit und ein langer Weg.

Meine zwei großen Themen waren:

  1. Junge Menschen aktiv in die Arbeit und Entscheidungsprozesse einbinden.
    Dafür haben wir ein Jugendteam mit Fachbereichen gebildet, das sich hervorragend entwickelt hat – bis heute existiert dieses Team.
  2. Den Wettkampf im Nachwuchsbereich kritisch hinterfragen und modernisieren.
    In einer traditionell aufgestellten Sportart wie der Leichtathletik Veränderungen durchzusetzen, war eine große Herausforderung. Viele Entscheidungen erforderten Mehrheiten im Verbandsrat, was oft ein mühsamer Prozess war.

Besonders die Reform der Kinderleichtathletik war ein zähes Ringen. Im Leichtathletik-Verband Nordrhein hatte ich bereits die Bewegung „Kinder trainieren anders“ kennengelernt – mit der wichtigen Erkenntnis, dass Kinder keine verkleinerten Erwachsenen sind. Dass sich das Training anpassen musste, wurde relativ schnell akzeptiert. Doch die Idee, dass auch der Wettkampf für Kinder neu gedacht werden musste, stieß auf erheblichen Widerstand.

Mit einem großartigen Team von Fachleuten – allen voran Fred Eberle – konnten wir ein umfassendes Konzept entwickeln. Die Herausforderung bestand darin, die Inhalte praxisnah zu gestalten und sie in die bestehende Leichtathletik-Ordnung zu integrieren. Dazu mussten wir zunächst die Jugendausschüsse der 20 Landesverbände überzeugen, die ihrerseits ihre Präsidenten ins Boot holen mussten. Diese Präsidenten konnten in der finalen Abstimmung alles blockieren – oder unterstützen.

Es war ein harter, langwieriger Prozess mit viel Widerstand aus den Vereinen und Landesverbänden. Doch am Ende wurden die Satzung und die Leichtathletik-Ordnung geändert, und die neuen Wettkampfformen für Kinder wurden verbindlich eingeführt. Heute sehe ich, dass sie tatsächlich umgesetzt werden – und das ist für mich eine große Bestätigung der jahrelangen Arbeit.“

… Meilensteine der internationalen Verbandsarbeit

“Ich weiß nicht, ob man da einen Höhepunkt setzen kann, aber es war schon super spannend. Und ich denke auch, die erste Phase – die ersten vier Jahre – da haben wir im Wesentlichen die Statistiken geprüft und geschaut, was wo geht und was nicht geht. Das war die Amtszeit unter Lamine Diack. Er kam uns zwar im Komitee besuchen, aber letzten Endes mit halbem Herzen und hat da nicht viel Beachtung geschenkt.

In der zweiten Amtszeit hatten wir dann Sebastian Coe als Präsidenten, und er hat eine komplette Governance-Reform eingeleitet. Er hat die gesamte Satzung umstrukturiert, und dabei hat auch die Genderbeteiligung einen anderen Stellenwert bekommen. Sie wurde tatsächlich in der Weltsatzung festgeschrieben, mit dem Ziel, dass bis 2027 das Council zu 50 % aus Männern und Frauen bestehen muss. Interessanterweise wurde das bereits im vergangenen Jahr realisiert – früher als vorgeschrieben. Es sollte eigentlich eine lineare Entwicklung geben, aber die Umsetzung erfolgte schneller.

Mit dieser Vorgabe war natürlich auch die Aufforderung verbunden, die Ausbildung und die Wege für Frauen aufzuzeigen – insbesondere für jene, die aus dem Leistungssport kamen oder bereits weltweit in Verbänden tätig waren. Ziel war es, sie zu motivieren und zu qualifizieren, damit sie für hohe Positionen kandidieren und sich dort einbringen.

Dafür haben wir bei World Athletics ein „Gender-Leadership-Programm“ ins Leben gerufen, das zunächst als „Women’s Leadership Program“ gestartet war. In Zusammenarbeit mit der Loughborough University in Großbritannien wurde ein professionelles Programm entwickelt, um Leadership-Workshops durchzuführen und Frauen zu fördern. Zunächst haben wir ein globales Programm aufgestellt, aus dem dann Inhalte abgeleitet wurden, die sich auf die einzelnen Regionen und nationalen Verbände ausweiten konnten.

Ich muss sagen, dass das Programm sehr erfolgreich war. Auch European Athletics hat dieses „Leadership-Programm“ übernommen. Zunächst haben wir Ausbildungsangebote für interessierte Frauen geschaffen, in denen sie mehr über ihre eigenen Qualitäten, ihre Ambitionen, aber auch über Teamarbeit, Change-Management und politisches Engagement lernen konnten.

Mittlerweile haben in den 50 europäischen Verbänden verschiedene Ausbildungsebenen stattgefunden. Das Ganze wurde dann von „Women’s Leadership“ in „Gender Leadership“ umbenannt – und inzwischen heißt es einfach nur noch „Leadership“. Denn die Männer haben erkannt, dass sie diese Ausbildung ebenfalls gut gebrauchen können und dass eine verbesserte Leadership-Qualität der gesamten Verbandsarbeit zugutekommt.

Während der Pandemie wurde das Programm auf Online-Workshops umgestellt und hat sich zu einem Selbstläufer entwickelt. Zusätzlich wurde es durch ein Mentoring-Projekt ergänzt, bei dem junge Nachwuchsführungskräfte über ein Jahr hinweg von erfahrenen Funktionären begleitet werden.

Ich bin wirklich stolz darauf, dass dieses Programm so erfolgreich funktioniert. Und ich freue mich sehr, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband inzwischen auch eine solche Ausbildung eingeführt hat. Denn ich habe irgendwann festgestellt, dass ich mich international weiterentwickelt habe, während die deutsche Mentalität lange unverändert blieb. Man hat sehr lange gebraucht, um zu verstehen, dass man solche Programme auch einmal ausprobieren könnte.

Oft hörte man Sätze wie: „Ja, wir brauchen mehr Frauen“, oder „Frauen haben doch alle Chancen, aber sie wollen ja nicht.“ Doch es wurde nicht erkannt, dass genau diese Haltung eine Blockade verursachte, die echte Veränderungen verhinderte. Aber mittlerweile hat sich etwas getan – und das ist gut so!”

… Spektakel und Mentalitäten

„Ich war nicht bei Olympischen Spielen, aber ich war bei allen anderen internationalen Meisterschaften. Ich habe lange Zeit auch das U 18- und U 20-Nationalteam als Delegationsleitung begleitet und dabei interessante Erfahrungen gemacht. Ich denke, dass gerade in der Nachwuchsleichtathletik noch vieles bodenständig und gleichgeblieben ist. Es ist ein buntes Fest für junge Menschen, aber auf ganz hohem Niveau. Vor allem hat sich weltweit das Leistungsniveau gewaltig entwickelt und gesteigert.

Das hängt damit zusammen, dass sich die Ausbildungsmöglichkeiten generell weiterentwickelt haben – auch durch viele Stipendien in den USA, die talentierten jungen Menschen in verschiedenen Disziplinen offenstehen. Unsere Athleten haben es nicht leicht, sich in diesem weltweiten Wettkampf zu behaupten. Bei den U 20 ist das noch relativ gut gelungen, aber danach den Anschluss zu halten, ist sehr schwierig. Das muss ich jetzt nicht bewerten, weil ich den Leistungssport zwar mitverfolgt habe, aber eher aus der Perspektive der Jugend.

Auf Weltniveau sind die Veranstaltungen mittlerweile ein echtes Spektakel. Es sind riesige Events, die teilweise auch kritisiert werden, weil sie mehr Show als Wettkampf seien. Aber solange die Leistungen auf einem so hohen Niveau bleiben, muss man auch versuchen, dem Publikum etwas zu bieten. Die Spannung und die Stimmung in den Stadien sind jedenfalls gewaltig. Ich habe manchmal mehr Freude an Nachwuchswettkämpfen als an der großen Show. Ich kann mir auch nicht mehr alle Namen der Topstars so gut merken wie früher. Früher kannte ich die gesamte Leichtathletikwelt – das hat sich schon ein bisschen verändert, da gebe ich Ihnen absolut recht.

Die Mentalitäten der Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt sind sehr unterschiedlich. Das habe ich auch erlebt, wenn man in einem Weltkomitee sitzt. Die Diskussionen verlaufen ganz anders, weil verschiedene kulturelle Hintergründe miteinfließen. Mir wurde einmal gesagt: „Ihr Deutschen – ihr Europäer – mit eurem weißen Denken.“ Bis dahin dachte ich immer, dass ich weltoffen sei und nicht in festen Denkmustern stecke. Aber tatsächlich gibt es unterschiedliche Perspektiven. Ich habe viele Frauen kennengelernt – vor allem aus der Karibik –, die super offen sind und sich selbstbewusst präsentieren. Wir Deutschen sind dagegen ziemlich bieder. Ich kann mir vorstellen, dass es auch unseren Athleten und Athletinnen manchmal schwerfällt, sich auf der großen Bühne entsprechend zu präsentieren. Ich stecke nicht in ihrer Haut, aber ich kann es mir gut vorstellen.“

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