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Agnes Werhahn

*1957
International erfolgreiche Voltigiertrainerin 

Schon in jungen Jahren übernahm Agnes Werhahn Verantwortung für Mensch und Pferd. Dank ihres Engagements und ihrer Hingabe zum Voltigiersport reüssierte sie nicht nur international als Trainerin und Longenführerin, sondern auch in diversen Positionen im Pferdesportverband Rheinland.

Kurzbiografie

  • Geboren 1957 in Neuss
  • 1969-heute SC 36 Neuss-Grimlinghausen (Voltigieren, Reiten), davon aktiv: 1969-1972, 1973-2002 als Longenführerin
  • 1973-1991 Vorstandsmitglied im RSV Neuss-Grimlinghausen als Jugendwart und Beisitzer Voltigieren
  • 1974 Erster Kreismeistertitel unter Gaby Deneke
  • 1980 Goldene Ehrennadel mit Lorbeerkranz des Pferdesportverbandes Rheinland
  • 1985 „Sportehrengabe“ der Stadt Neuss
  • 1982-2002 Assistenz Landestrainer (Voltigieren) Pferdesportverband Rheinland
  • 1984 Abschluss Diplom Sozialpädagogin, Katholische Hochschule Köln
  • 1985-1991 Sozialpädagogin in der Gemeinnützige Werkstatt Neuss (Eingangsgruppe)
  • 1994 Staatlich anerkannte Physiotherapeutin
  • 1997-heute Aktiv: Dressursport (erfolgreich bis Klasse S)
  • 2000-heute Neuss-Grefrather RC 1983 (Reiten)
  • Ab 2002 Erfolge für Brasilien als „inoffizielle“ Nationaltrainerin und Mentorin, Teilnahme an Weltmeisterschaft 2006/2008 /2016/2018/2022
  • 2004-2015 Mitglied Fachbeirat Voltigieren des Pferdesportverband Rheinland
  • 2004-2015 Mitglied des Leistungssportauschuss des Pferdesportverband Rheinland
  • 2004-2022 Lehrgangsleiter und Stützpunkttrainer des Landesleistungsstützpunkt NRW Voltigieren in Neuss
  • 2009 Erster Voltigiermeister (Pferdemeister) der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, als erste Frau überhaupt
  • 2014-heute Vorstandsvorsitzende der Stiftung Sport der Sparkasse Neuss und des Rhein-Kreis Neuss
  • 2022 Mitglied der Wall of Fame des Stadtsportverbands Neuss

Interview-Ausschnitte

… Eigenschaften und Entwicklung der Voltigier-Pferde

„Die modernen Pferde sind ganz anders als die Pferde, mit denen wir angefangen haben. Gerne würde man heute noch ein Pferd finden, das ein bisschen dem älteren Modell entspricht, weil das gerade im unteren Bereich einfacher ist – auch für die Longenführer.

Die Longenführer heute kommen ja eher aus dem Bereich des Voltigierens und nicht mehr aus dem Reiten. Deswegen brauchen sie einen Reiter, und sie müssen das Longieren lernen. Für sie ist es einfacher, das ältere Modell zu longieren. Das Pferd muss so viel mitbringen. Früher wurden einem Pferde nur zum Kauf angeboten, die im Springsport ausgedient hatten, im Dressursport nicht mehr liefen und keinen Schritt hatten. Dann musste man das Beste daraus machen – das kenne ich halt auch noch. Aber heute bekommt man Pferde, die auch schon gut geritten sind.

Viele Besitzer sind dankbar, denn am Ende haben die Pferde ein tolles Leben. Sie haben eigentlich ein Leben auf Lebenszeit, sind mit den Jugendlichen und Kindern vertraut und haben es wirklich gut. Dieses Pferd muss einen ruhigen Charakter mitbringen. Ein bisschen Gutmütigkeit ist nicht schlecht, aber es muss heutzutage im Spitzensport auch eine richtig gute Galoppade haben und letztendlich das, was sich jeder Reiter wünscht: Diese Rittigkeit möchte man auch an der Longe haben. Das heißt Durchlässigkeit, Lernfähigkeit und zudem die Nervenstärke, um 5000 Zuschauer zu ertragen. Das muss man alles langsam beibringen – das kann man nicht prüfen. Wenn man ein Pferd hat, das nervöser ist, muss man als Longenführer einfach versuchen, noch mehr mit dem Pferd eins zu werden, sodass es am Ende ein gutes Ergebnis gibt.

Die letzten beiden Pferde, die ich im Voltigiersport hatte, sind mit 31 auf der Wiese eingeschläfert worden – das heißt, sie sind alt geworden. Der Jüngste von den Spitzenpferden ist 28. Das ist schon besonders.

Wir hatten einen, der war unreitbar. Aber Voltigieren ging mit ihm, und später konnte ich ihn immer besser reiten. Er ist auch der erste Europameister im Voltigieren geworden. Den bekamen wir, weil er unreitbar war – sonst hätten wir ihn gar nicht kaufen können. Aber er hatte eine gute Galoppade – altes Trakehnerblut. Dann weiß man: ein zäher Bursche, aber sehr schwierig. Am Ende hat er für uns gekämpft. Wenn er seine Voltigierer um sich hatte – auch später –, dann war er einfach glücklich. Das konnte man ihm ansehen. Er wuchs über sich hinaus, wenn er mit 25 oder 26 Jahren noch einmal auf eine Nikolausfeier gehen konnte. Und wenn Applaus kam, dann hat er sich noch einmal richtig gezeigt. Das ist schon sehr besonders.“

… Infrastruktur und Rolle des Voltigierens in der Neusser Sportlandschaft

„Also, wir hatten zu diesem Zeitpunkt eine Pachtanlage. In unserem Pachtvertrag war festgelegt, dass wir nur das Recht hatten, vier Pferde einzustellen. Das war nicht immer einfach. Zeitweise hatte ich ein oder zwei Pferde woanders untergebracht, um sie dort bereits ausbilden zu können. Mit nur vier Pferden Spitzensport zu betreiben, war eine große Herausforderung.

Wir hatten auch Pächter, bei denen das Voltigieren zeitweise nur mithilfe einer einstweiligen Verfügung möglich war. Das waren unschöne Situationen und riesige Hürden, die wir überwinden mussten. Aber aufgeben wollte ich nicht.

Dann hingen aber auch schon rund 40 Voltigierer mit ganzem Herzen an diesem Sport, die übrig geblieben waren. Insgesamt hatten wir eigentlich immer zwischen 120 und 150 Jugendliche und Kinder, die voltigierten – in Spitzenzeiten sogar bis zu 180. Und auch heute noch gibt es eine unglaublich lange Warteliste mit bis zu 200 Kindern, die gerne weitermachen würden. Doch uns fehlen Trainer – wie überall – und damit auch die Pferde oder Trainer, die Pferde ausbilden können. So hat sich das Ganze entwickelt: Mein Bruder und ich haben in Neuss angefangen, damals noch selbst Fotos entwickelt, um sie abends bei der Neuss-Grevenbroicher Zeitung einzuwerfen. Irgendwann waren sie dort so genervt, dass sie schließlich eines unserer Fotos veröffentlicht haben. So wurde die Presse in Neuss auf unseren Sport aufmerksam, und langsam entwickelte sich das Interesse.

1978 fing alles an, und bis heute ist Voltigieren eine Schwerpunktsportart in Neuss, die aktiv gefördert wird. Es gibt Talentsichtungsprogramme des Kreises, in denen Voltigieren als Schnuppermöglichkeit angeboten wird. Kinder erhalten sogenannte Talentpässe, mit denen sie Voltigieren ausprobieren können.

Das Schnuppertraining läuft so ab, dass Kinder mit einem Talentpass bevorzugt angenommen werden und einen Schnupperkurs besuchen können. Darüber hinaus gibt es Ferienkurse, die besonders während der Corona-Zeit stark überlaufen waren. Teilweise wurden morgens und nachmittags jeweils zwei Kurse angeboten, um die Nachfrage bewältigen zu können. Doch selbst nach diesen Kursen blieben die Wartelisten lang. Wenn Kinder nach einem Schnupperkurs in einen Verein aufgenommen werden, braucht es letztendlich genügend Pferdezeiten und Trainer, um ihnen auch wirklich eine Perspektive zu bieten.“

… ihren Einstieg als Trainerin und erste Meisterschaften

„Nachdem ich mit 16 Jahren mit dem Voltigieren aufhören musste, übernahm ich meine erste Gruppe, die ausschließlich Schaubilder vorführen sollte. So war das damals. Der Reitlehrer sagte: ‚Du machst die Gruppe, und die dürfen dann mal auftreten.‘ Also organisierten wir eine Nikolausfeier.

Ich glaube, meinen ersten Wettkampf hatte ich 1974. Ich habe selbst longiert, mir aber nebenbei auch Wettkämpfe an anderen Orten angesehen. Ich fuhr nach Westfalen, um Meisterschaften zu beobachten, begann, bei Richtern Protokoll zu schreiben, und entwickelte mich so immer weiter. Ich hatte viele kreative Ideen, insbesondere, um neue Elemente in der Kür einzubauen. Dadurch wurde ich unbewusst immer besser – und meine Gruppe entwickelte sich schnell zu einer erfolgreichen Wettkampfgruppe. Fünf Jahre lang blieben sie ungeschlagen.
Es waren Kinder unter zwölf Jahren, was ich immer bevorzugt habe – mit pubertierenden Jugendlichen wird es schwieriger. Wir hatten ständig neue Ideen und überlegten uns Kürübungen sogar auf dem Rasen hinter dem Haus meiner Eltern. So kamen wir Schritt für Schritt weiter.

Irgendwann hieß es dann: ‚Jetzt übernimmst du die erste Gruppe.‘ Die bisherige Longenführerin hatte aufgehört. Doch ich weigerte mich: ‚Nein, das ist nicht mein Ding.‘ Es handelte sich um ältere Jugendliche, teilweise sogar ehemalige Teamkollegen von mir. Ich wollte diese Aufgabe nicht übernehmen. Doch der Reitlehrer, der die Anlage gepachtet hatte, machte mir klar: ‚Wenn du das nicht machst, darfst du auch kein Voltigieren mehr anbieten.‘ Er drängte mich dazu, weiterzumachen. Schließlich gab ich nach – durfte aber zumindest meine Minigruppe behalten. Rückblickend hatte er recht: Diese Herausforderung brachte mich dazu, mich weiterzuentwickeln und darüber nachzudenken, wie ich das Training noch verbessern könnte.
In dieser Phase mussten wir auch ein neues Pferd kaufen. Ich musste mein erstes Telefonat mit einem Pferdehändler führen – eine riesige Überwindung für mich. Fünfmal nahm ich Anlauf, bevor ich tatsächlich zum Hörer griff. Schließlich fuhr ich mit meinem Team zum Händler, und wir kauften ein Pferd, das letztlich nicht zu 100 % in Ordnung war. Doch wir mussten mit der Situation umgehen – und dieses Pferd half mir ungemein, meinen Einstieg bis hin zur Deutschen Meisterschaft zu meistern.

Unsere erste Meisterschaft war 1978, und wir belegten auf Anhieb den vierten Platz – eine unglaublich aufregende Erfahrung. In Neuss berichteten die Zeitungen darüber, und wir wurden erstmals zu einer Ehrung eingeladen. Das war etwas ganz Besonderes. Wir hatten bereits Gruppen geschlagen, die für uns noch Vorbilder waren. Ich analysierte genau, was sie gut machten – und überlegte, wie wir noch besser werden konnten.“

… ihr Engagement als Landestrainerin

„2002 fing ich wieder an zu reiten – und zwar sportlich und turniermäßig. Bis dahin hatte ich fast 30 Jahre lang hauptsächlich Voltigierpferde geritten. Ich hielt sie zwar stets auf einem gymnastizierenden Niveau, da sie diese Art der Ausbildung benötigen, doch erst 2002 begann ich wieder intensiver mit dem Reiten. 2003 nahm ich mir dann eine kleine Auszeit vom Voltigiersport und genoss es, das Geschehen aus der Distanz zu beobachten.

2004 wurde ich dann quasi ins kalte Wasser geworfen und übernahm kommissarisch die Position des Landestrainers. Zur Deutschen Meisterschaft kehrte ich als Trainingsbegleitung zurück. Zwischenzeitlich hatte ich immer wieder Mannschaften unterstützt – allerdings nicht meinen eigenen Verein, sondern Teams aus anderen Regionen.

Als ich 2004 Landestrainer wurde, musste ich mich zunächst orientieren: Wie funktioniert die Kaderstruktur? Wie laufen Sichtungen ab? Ich hatte mich mit diesen Themen zuvor nie beschäftigt. Also schaute ich mir andere Sportarten an und übertrug die dortigen Methoden auf das Voltigieren. Mir war es wichtig, dass der Voltigiersport im eigenen Verband als Leistungssport anerkannt wurde – gleichberechtigt neben Dressur und Springreiten.

Schnell stellte ich fest, dass meine Person als Trainerin hohe Akzeptanz genoss. Jeder wusste, dass ich auch reite – ich war nicht nur jemand, der an der Longe steht und ‚Hokuspokus‘ macht. Voltigieren ist kein Kinderkram, sondern ernstzunehmender Leistungssport. Diese Anerkennung war ein wichtiger Meilenstein innerhalb des Verbands.

Als Landestrainer überlegte ich dann: Wie kann ich den Sport im gesamten Land voranbringen? Damals gab es auf höchstem Niveau nur zwei Mannschaften – die aus Köln und Neuss. Doch ohne starke Konkurrenz stagniert die Entwicklung. Mein Ziel war es, das gesamte Rheinland einzubeziehen, also auch Regionen wie Königswinter oder Goch. Ich fuhr viel herum, besuchte Mannschaften in Wermelskirchen und Goch, gab ihnen die Möglichkeit, in Neuss am Stützpunkt zu trainieren, und organisierte Lehrgänge.

Schritt für Schritt stieg das Niveau – bis wir schließlich bis zu sieben Mannschaften auf Top-Niveau hatten. Natürlich bedeutete das auch mehr Konkurrenz für meinen eigenen Verein. Deshalb unterstützte ich in Neuss wieder verstärkt Jessica Schmitz, half ihr mit den Pferden und kümmerte mich darum, neue Einzelvoltigierer heranzuziehen. Mir war wichtig, dass der eigene Verein nicht ins Hintertreffen geriet. Dabei habe ich jedoch nie eine Bevorzugung zugelassen – das möchte ich betonen. Tatsächlich kam es sogar vor, dass ein Vereinsmitglied bei einer Sichtung das Nachsehen hatte, obwohl er oder sie genauso talentiert war.

Ich habe gezielt unsere größte Konkurrenz in Köln unterstützt, oft unentgeltlich. Wenn es dort Probleme mit der Pflicht gab, bin ich hingefahren und habe Trainingseinheiten geleitet. Mein Ziel war es, dass sich das allgemeine Niveau des Voltigierens verbesserte – und das ist mir gelungen.

2015 zog ich mich dann aus der offiziellen Funktion zurück. Die Arbeit wurde zunehmend mehr, und obwohl mir Unterstützung angeboten wurde, stellte ich immer wieder fest, dass es nicht in meinem Sinne lief. Mein Problem war: Entweder 150 % Einsatz oder gar nicht. Ich hätte mich sonst überfordert, zumal ich neben dem Voltigieren auch berufstätig war und meine eigene Reiterei nicht aufgeben wollte.

Schließlich entschied ich, mich aus dem Fachbeirat zurückzuziehen, arbeitete jedoch im Hintergrund in Neuss weiter. Meine Familie unterstützt den Betrieb bis heute, sodass dieser weiterhin bestehen kann.“

… (Olympische) Perspektiven des Voltigierens

„Ich glaube, dass ich lange in einer Art Blase gelebt habe – und eigentlich würde ich diese Blase gerne noch weiter ausdehnen. Bildlich gesprochen hätte alles so bleiben können, wie es war. Doch natürlich gibt es den Wunsch, weiterzukommen, sichtbarer zu werden, vielleicht sogar in Richtung Olympia. Diese Bestrebungen beeinflussen uns alle täglich und machen die Entwicklung des Sports komplexer.

Im Ausland ist es längst üblich, dass Voltigiertrainer hauptberuflich tätig sind. Auch in Deutschland gibt es das vereinzelt, aber nur in geringem Umfang. Schon zu meiner Zeit haben einige Trainer Hallen gepachtet und den Voltigiersport auf eigene Kosten organisiert. Das sieht man auch heute noch. Inzwischen gibt es sogar halbtags angestellte Trainer – doch flächendeckend ist das Modell noch nicht etabliert.

Aktuell empfinde ich die Situation als eine Art Einschnitt. Die Corona-Pandemie hat den Voltigiersport schwer getroffen – wie viele andere Sportarten auch, aber besonders die nicht-olympischen Disziplinen. Wenn ich daran denke, dass wir in Neuss zeitweise nicht voltigieren durften, es in Warendorf aber möglich gewesen wäre, dann zeigt das die Ungleichbehandlung. Die Kadersportler wurden bevorzugt, während diejenigen, die knapp unter der Spitze standen, nicht trainieren konnten. Olympische Sportarten wurden weiterhin gefördert, Voltigieren hingegen musste pausieren. Besonders frustrierend war es, dass ein Neusser Doppel-Team nicht zusammen trainieren durfte, in Warendorf aber schon – das war schwer nachzuvollziehen.

Auch die Pferde litten unter den Einschränkungen. In Vereinen, die sich strikt an die Regeln hielten, fehlte ihnen das Voltigieren. Viele dieser Pferde sind es gewohnt, täglich von Kindern umgeben zu sein – gestreichelt, geknuddelt und umsorgt zu werden. Das Training mit den Kindern, die Bewegung, der soziale Kontakt – all das fiel weg. Ich glaube, dass das für die Pferde ebenso belastend war wie für die Sportler.

Seitdem hat sich der Sport weiterentwickelt. Heute wechseln Topleute bewusst zu großen Vereinen, anstatt Eigengewächse heranzuziehen. Das ist auch in Neuss spürbar. Ich habe mich inzwischen zurückgezogen, aber wenn es nötig ist – sei es in Notfällen oder finanziell schwierigen Zeiten – stehe ich immer noch bereit.

Langfristig ist es entscheidend, wieder verstärkt eigene Nachwuchstalente auszubilden, um neue Trainer zu gewinnen. Denn was nützt uns ein starker Spitzensport, wenn es bald keine Trainer mehr gibt? Gerade im Voltigieren ist das eine besondere Herausforderung, da es keine olympische Disziplin ist. Natürlich wünschen sich viele, dass sich das ändert – aber der Weg dorthin ist lang. Die Dimensionen eines olympischen Sprungs sind aus heutiger Perspektive noch kaum abzusehen.“

… pädagogische Ansätze des Voltigierens

„Ich glaube, dass ich lange in einer Art Blase gelebt habe – und eigentlich würde ich diese Blase gerne noch weiter ausdehnen. Bildlich gesprochen hätte alles so bleiben können, wie es war. Doch natürlich gibt es den Wunsch, weiterzukommen, sichtbarer zu werden, vielleicht sogar in Richtung Olympia. Diese Bestrebungen beeinflussen uns alle täglich und machen die Entwicklung des Sports komplexer.

Im Ausland ist es längst üblich, dass Voltigiertrainer hauptberuflich tätig sind. Auch in Deutschland gibt es das vereinzelt, aber nur in geringem Umfang. Schon zu meiner Zeit haben einige Trainer Hallen gepachtet und den Voltigiersport auf eigene Kosten organisiert. Das sieht man auch heute noch. Inzwischen gibt es sogar halbtags angestellte Trainer – doch flächendeckend ist das Modell noch nicht etabliert.

Aktuell empfinde ich die Situation als eine Art Einschnitt. Die Corona-Pandemie hat den Voltigiersport schwer getroffen – wie viele andere Sportarten auch, aber besonders die nicht-olympischen Disziplinen. Wenn ich daran denke, dass wir in Neuss zeitweise nicht voltigieren durften, es in Warendorf aber möglich gewesen wäre, dann zeigt das die Ungleichbehandlung. Die Kadersportler wurden bevorzugt, während diejenigen, die knapp unter der Spitze standen, nicht trainieren konnten. Olympische Sportarten wurden weiterhin gefördert, Voltigieren hingegen musste pausieren. Besonders frustrierend war es, dass ein Neusser Doppel-Team nicht zusammen trainieren durfte, in Warendorf aber schon – das war schwer nachzuvollziehen.

Auch die Pferde litten unter den Einschränkungen. In Vereinen, die sich strikt an die Regeln hielten, fehlte ihnen das Voltigieren. Viele dieser Pferde sind es gewohnt, täglich von Kindern umgeben zu sein – gestreichelt, geknuddelt und umsorgt zu werden. Das Training mit den Kindern, die Bewegung, der soziale Kontakt – all das fiel weg. Ich glaube, dass das für die Pferde ebenso belastend war wie für die Sportler.

Seitdem hat sich der Sport weiterentwickelt. Heute wechseln Topleute bewusst zu großen Vereinen, anstatt Eigengewächse heranzuziehen. Das ist auch in Neuss spürbar. Ich habe mich inzwischen zurückgezogen, aber wenn es nötig ist – sei es in Notfällen oder finanziell schwierigen Zeiten – stehe ich immer noch bereit.

Langfristig ist es entscheidend, wieder verstärkt eigene Nachwuchstalente auszubilden, um neue Trainer zu gewinnen. Denn was nützt uns ein starker Spitzensport, wenn es bald keine Trainer mehr gibt? Gerade im Voltigieren ist das eine besondere Herausforderung, da es keine olympische Disziplin ist. Natürlich wünschen sich viele, dass sich das ändert – aber der Weg dorthin ist lang. Die Dimensionen eines olympischen Sprungs sind aus heutiger Perspektive noch kaum abzusehen.“

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Hier findet sich das vollständige Interview im PDF-Format: