
Ludger Elling
*1955
Förderer des Sports für Menschen mit Behinderung
Neben seinem Studium baute Ludger Elling eine Tennisschule auf und engagierte sich in der Sporttherapie sowie in der Gesundheitsförderung. Durch sein langjähriges Wirken in der DBS-Akademie und der Sportselbstverwaltung, insbesondere im Bereich der inklusiven Sportbildung, prägte er maßgeblich die Qualifizierung von Übungsleitern.
Kurzbiografie
- Geboren 1955 in Borghorst (Heute Steinfurt)
- 1969-1995 Mitglied Handball und Basketball beim Turnverein Borkhorst
- 1970-2010 Mitglied im TC Borghorst
- 1976-1984 Hochschulstudium WWU Münster 1. Staatsexamen Sek I und Sek II Lehramt Englisch und Sport
- 1984-1986 Referendariat 2. Staatsexamen
- 1980-1991 Gründung und Führung einer Tennisschule und Tennisshop
- 1988-1990 Sporttherapeut in einer Werkstatt für MmB in Ochtrup
- 1989-2022 Vorstandsmitglied im BRSNW
- 1990-1991 ABM als Lehrer in einem Projekt “Schule und Verein” am Schulamt Kreis Steinfurt
- 1991-2006 Sportlehrer und Leiter im Institut zur Gesundheitsförderung im Mathias-Spital Rheine, später als stellv. Leiter
- 1993-1995 Lehrer (Elternzeitvertretung) Janusz-Korczak-Gesamtschule Bottrop
- 2002-2016 Mitglied im Präsidium des DBS
- 2006-2020 Geschäftsführer und Referent der DBS-Akademie
- Seit 2021 Ehrenmitglied im BRSNW
Ludger Elling über …
„Der Verein heißt TC Borghorst, Tennis Club Borghorst, den gibt es immer noch. Der war mitten in einem Wohngebiet und hatte zwei Plätze. Der Verein war nicht wirklich in einer Randlage. Es waren die Besitzer von Textilfirmen, also große Firmen, Arnold Kock und Wattendorf hießen die, die gibt es nicht mehr, und die haben sich dort regelmäßig getroffen. Und dann kam der ein oder andere Steuerberater und Finanzer dazu, wir Kinder, gerade wir aus mittelständischen Familien, eher weniger.
Die hatten überhaupt keine Kinder- und Jugendbeiträge, weil die das nicht kannten zu meiner Zeit. Ich kann mich noch erinnern, als ich meinem Vater sagte: ‚Ich würde ganz gerne Tennis spielen.‘ Da ging es schon los: Ein Tennisschläger kostete zu der Zeit 80-100 DM. Das war schon eine Einstiegsgröße. Einen einfachen Fußball kriegte man für zehn DM. Da hat mein Vater gesagt: ‚Das können wir uns nicht leisten.‘ Da er ein bisschen Angst gehabt hat, dass ich meine beiden Brüder mitziehe. Und da habe ich dann von dem eben genannten Sportlehrer einen Tennisschläger geschenkt bekommen, ein italienisches Fabrikat, was unheimlich teuer war, ich glaube über 200 DM. Und da muss man sich ja Bälle kaufen – Bälle waren Verschleißmaterial. Und dann mussten die sich überlegen: Was nehmen wir den Kindern denn, wenn sie nachmittags spielen, eigentlich ab? Und was nehmen wir für die Trainerstunde?
Die Preise haben sich bis heute nicht so fürchterlich geändert. Die sind zwar gestiegen, aber das war für mich im Nachhinein sechs, sieben Jahre später total gut, denn das war der Beginn von Boris Becker und Steffi Graf. Das war natürlich der Boom. Die erwachsenen Beiträge gingen in die Hunderte pro Jahr. Für eine normale Familie war das nicht zu tragen, ernsthaft. Das hat sich dann aber wieder sukzessiv geändert. Und als die das dann geöffnet haben, dann ist der Kinder- und Jugendbereich auch geboomt. Dann hatten wir da zwei Plätze und dann wussten wir auf einmal, dass man mit zwei Plätzen nicht sehr weit kommt, wenn man Turniere spielt. Es sind heute ja noch Sechser-Turniere, sechs Einzel und drei Doppel – das dauert. Und dann hat man überlegt – das war dann meine aktive Zeit, so zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr: Wir bauen eine neue Anlage mit sechs Plätzen. Damals haben wir noch eine Winterhalle, eine Traglufthalle, gebaut. Das gibt es heute kaum noch. Damals hat man auch nicht über Energie nachgedacht, dass die geheizt werden musste. Aber dadurch konnten wir dann auch im Winter weiterspielen.
Die Tennisschläger waren nur Holzschläger. Boris Becker war einer der Ersten mit seinem blau-roten Puma-Schläger mit der komischen Form. Die Schläger waren total weltfremd. Heute geht man auf Flohmärkte und sagt: ‚Boah, so einen habe ich damals gehabt.‘ Ich bin jetzt 69 Jahre alt. Ich habe auch noch einen oder zwei davon zu Hause. Heute ist das ja mehr so ein Dekogegenstand für den Garten oder für irgendwelche Wohnungen.
Die Leute hatten damals Asche. Die hatten Asche ohne Ende. Die Stadt Steinfurt oder die Stadt Borghorst, die hatte damals zwei große Textilfirmen, die produzierten Bettwäsche und Handtücher. Und da war noch der Großteil der Arbeitsplätze. Borghorst und Steinfurt als Verwaltungsstadt, da waren die Verwaltungsleute, die anderen waren die Textiler und drumherum war viel Landwirtschaft. Und diese Textiler, die haben das finanzieren können, das war für die nicht so ein Problem. Auf der anderen Seite hatten die ergänzend dazu die Kontakte zu den Landwirten, und die hatten ja das Gelände, wo sich die Städte vergrößern mussten.
Was in Borghorst noch immer sehr spaßig ist: Die haben nie ein Sportkonzept gehabt. Der Lehrer, von dem ich berichtet habe, der saß dann auch im Rat. Der hat mich später auch mal gefragt, ob ich Bürgerberater werden wollte zum Thema Sport. Und dann haben die versucht, ein Sportkonzept zu machen.
Ich war damals auf einem Gymnasium, das wurde ganz neu in der Stadt aufgebaut. Ich war die erste Klasse, die den ersten Abiturjahrgang nach neun Jahren machte. Es gab nur ein Arnoldinum in Burgsteinfurt und ansonsten musste man nach Rheine oder Münster fahren. Da gab es sonst kein Gymnasium. Ich hatte das Glück, dass nach der vierten Klasse ein Gymnasium aufgemacht wurde. Da kam der Sportlehrer auch her. Und das war dann in Verbindung der Politik mit einem Bauern, der sagte: ‚Ich stelle mein Gelände am Rand zur Verfügung.‘ Das war dann relativ billiges Bauland, was man dann über die berühmte Erbpacht über 99 Jahre gemacht hat. Man brauchte das nicht zu kaufen. Und dadurch war das dann relativ simpel. Die Beträge für die Mitglieder waren immer noch relativ hoch zu der Zeit. Man hat also die ganze Pflege und den Unterhalt des Geländes schon über die Beiträge gesteuert.“
„Ich habe ja mein Studium parallel zu dem Tennisunterricht gemacht. Ich habe relativ lange studiert. Das hatte eigentlich drei Gründe. Der eine Grund war, dass ich relativ spät in das Studium eingestiegen bin, weil ich fast zwei Jahre Verzögerung hatte, denn ich musste 15 Monate zur Bundeswehr. Das war aber auch gut, weil ich samstags morgens dann viele Trainingsstunden gemacht habe. Teilweise habe ich die auch abends gemacht. Ich war relativ nah stationiert in Rheine. Als ich an die zehn Tennistrainer hatte, habe ich die dann sukzessive, inklusive meiner Frau, eingearbeitet.
Und dann war am Ende des Studiums die Frage: Ich wollte schon gerne Lehrer werden. Ich habe Lehramt studiert, weil ich gerne unterrichten wollte. Ich hatte ja schon unterrichtet, als Tennislehrer, als Basketballtrainer, eine Volleyballmannschaft trainiert und das alles parallel dazu. Und dann habe ich gedacht: Ich habe das Englischstudium – das habe ich gemacht, war richtig viel Arbeit und war emotional nicht so das, was ich wollte. Ich wollte aber durchaus auch schon in die Schule hinein.
Jetzt ist der Tennisball meine Verbindung. Dann habe ich mein erstes Examen gemacht, habe dann die Referendarzeit gemacht und in der Referendarzeit musste ich die Tennisschule im Prinzip persönlich aufgeben. Das ging nicht mehr während der Referendarzeit und um das zweite Staatsexamen zu machen. Und da habe ich dann, wenn man so will, nur noch die Verwaltung gemacht, ein bisschen Geld dabei an die Seite gehalten und die Trainer machen lassen. Ich hatte ja ein Referendariatsgehalt, das war auch okay soweit.
Und dann kam was ganz Spannendes. Das war ganz anders als heute. Damals war es ganz schwer, eine Lehrerstelle zu kriegen. Wir hatten kompletten Lehrerüberhang und das war die Zeit des Numerus clausus, auch im Lehramt. Und man hätte wirklich ein Bombenstudium haben müssen. Ich war in Sport relativ gut, da habe ich mit 1,2 abgeschlossen. Das war gut, das hat mir auch Freude gemacht, und in Englisch musste ich wirklich kämpfen. Ich habe es gut geschafft mit einer gesunden Drei, aber das hat meinen Numerus clausus, auf gut Deutsch, versaut. Ich habe dann auch keine Lehrerstelle direkt bekommen. Und dann kommt wieder die Verbindung zu einer Tennisgeschichte. Das war dann mein Einstieg in den Behindertensport, weshalb ich jetzt eigentlich hier sitze.
Ich habe tatsächlich eine Sozialarbeiterin kennengelernt, in einem der Tennisvereine. Die war die Jugend- und Sportwartin und die sagte mir dann: ‚Ja, wenn du jetzt fertig bist mit dem Studium, kannst nicht in die Schule, willst du denn nur Tennisschule machen?‘ Ich sagte: ‚Ich komme da momentan ganz gut mit klar in dem ein oder anderen Verein morgens.‘ Ich sage: ‚Ob ich das auf Dauer will, dann muss ich das richtig professionell machen.‘ Da war ich noch nicht so von überzeugt. Und ich habe gesagt: ‚Ich weiß auch nicht, wie lange das hält mit dem Boom.‘ Und da sagte sie mir: ‚Aber ich habe eine Idee. Hast du nicht Lust? Du hast doch Sport studiert und Pädagogik? Möchtest du nicht einfach zu mir? Ich leite eine große Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Ochtrup. Hast du nicht Lust, da morgen Sport zu machen?‘
Ich sagte: ‚Gucke ich mir an.‘ Ich habe so eine Leidenschaft, die heißt Neugierde. Die lege ich auch nicht ab. Und diese Neugier hat mich getrieben, in diese Werkstatt zu gehen. Ich sagte: ‚Ich komme da mal ein, zwei Monate vorbei.‘ Sport mit Menschen mit geistiger Behinderung und mehrfacher Schwerstbehinderung, sagte mir nichts. Ich kannte den ein oder anderen aus der Stadt, habe dann zwei Menschen wiedergetroffen, die ich auf dem Fußballplatz kennengelernt hatte. Ein ganz netter Mensch, mein Alter, Baujahr 1955, das werde ich nie vergessen. Den traf ich in der Werkstatt dann wieder. Ich hatte aber keine Ahnung davon. Ich wusste nicht, was Menschen mit Behinderung können, was sie nicht können. Und früher war ja immer die Frage: Was können die alles nicht? Das frage ich heutzutage nicht mehr. Ich sage: ‚Die können Sachen, die würde ich gerne können.‘ Ich sagte: ‚Das mache ich aber nur, wenn mich da jemand mal auch anleitet. Die Menschen kann ich kennenlernen. Das Handling habe ich.‘
Und dann bin ich zum Behindertensportverband Nordrhein-Westfalen gegangen und habe einen Übungsleiterschein-C für Behindertensport gemacht. Der sah damals komplett anders aus als heute. Wir haben das damals ‚Allgemein-Absolution‘ genannt. Man musste da 120 Ausbildungsschulen machen und durfte dann mit Herzleuten, mit Diabetikern, mit geistig Behinderten, mit Amputierten arbeiten. Und es gab so eine Sonderausbildung. Das habe ich dann gemacht und es hat unheimlich viel Freude gemacht. Ich war jeden Morgen von 8 bis 12 in der Werkstatt. Bin nach Hause gefahren, habe mit der Familie gegessen und habe nachmittags die Tennisschule weitergemacht.“
„Also bei den Qualifikationen im Tennis war klar, die Tennislehrerausbildung nicht wegen der Zuschüsse zu machen, sondern um wirklich mal Ahnung zu haben von Methodik, von Pädagogik, von Trainingslehre. Und zwar speziell auf diese Sportart gerichtet. Als dann die Anfrage kam, in die Werkstatt zu gehen, da habe ich gesagt: ‚Ich gucke es mir an, ich gucke mir erst mal die Einrichtung an.‘ Das war eine schöne kleine Turnhalle mit allem. ‚Gib mir drei Wochen Zeit.‘ Ich habe mir die Menschen angeguckt und war fasziniert. Man könnte auch bei manchen sagen: Ich war aber auch erschrocken. Es gibt ganz nette Anekdoten da, aber ich musste mich reinfinden. Und dann habe ich zu der Sozialarbeiterin gesagt: ‚Ich muss eine Qualifikation haben, ich muss ein Gefühl dafür kriegen.‘ Und dann hat man mal recherchiert und dann war das der BSNW, der Behindertensportverband Nordrhein-Westfalen. Ich habe da angerufen. ‚Ja, es gibt bei uns auch eine Übungsleiter-C-Lizenz ‚Sport für Menschen mit Behinderungen‘. Das war damals und ist heute ja noch so, das war eben nicht sportartspezifisch. Es war aber auch nur bedingt behinderungsspezifisch. Das war eigentlich ein Ding, was aus heutiger Sicht gar nicht möglich war.
Das war damals ja mehr Versehrtensport und Leibesübungen, das war es eigentlich. Die ganzen Zivilisationskrankheiten kamen erst so langsam auf. Und dann war es diese Ausbildung zum Übungsleiter für Behindertensport und Breitensport, die ich gemacht habe. Die Referenten waren überwiegend auch Betroffene. Teilweise Kriegsversehrte, die ich aus Wuppertal kennenlernen durfte. Die haben das auch sehr motivierend gemacht. Und die haben mich auch in diese emotionale, soziale Welt der Menschen mit Behinderung eingeführt.
In den 120 Stunden musste man auch Trainingslehre machen. Man sollte die Anatomie machen, man muss ja wissen, was ist denn da eigentlich behindert? Was fällt denn da aus? Der Bewegungsapparat? Die kognitive Ebene? Das haben die schon sehr verständlich und sehr gut auch pädagogisch und motivierend rübergebracht. Also, das war nur vor Ort, das war nicht wie heute online, das war auch nicht mit abends nach Hause fahren, sondern das war wirklich in der Turnhalle und dann abends noch zum Beispiel mal Sitzball spielen. Das sind schon spannende Erfahrungen. Wenn Sie beide Beine haben, dann sind die Beine eine Behinderung. Oder Blindensport, da habe ich erst mal mit Blindensport Kontakt gehabt. Und in der Revue habe ich dann hinterher gesagt: ‚Für meine Klientel in der Werkstatt, geistig- und mehrfach Schwerstbehinderte oder später dann die psychisch Kranken, das kann nicht funktionieren.‘ Da waren von 120 vielleicht 2,5 Stunden abgedeckt, mal bildlich gesprochen. Ich sagte: ‚Ich bin eigentlich nicht genug für das ausgebildet, was mich täglich erwartet. Ich glaube, ich wäre das übrigens auch nicht, wenn ich jetzt Wirbelsäulengymnastik machen müsste.‘
Dann kommt hinzu: Ich habe natürlich schon pädagogische Dinge aus dem Sportstudium erlernt, aus der Referendarzeit. Der Umgang mit Menschen ist jetzt nicht mein Problem, das müssen andere lernen. Und das war dann genau die Einladung von Herrn Kaul: ‚Genau da wollen wir hin. Wir merken, es kommen immer mehr dazu, verschiedene Krankheitsbilder, Behinderungsbilder. Es kommt immer mehr Klientel auf uns zu. Deine Ideen, hast du da nicht mal Lust, mit uns darüber nachzudenken?‘ Und dann haben wir angefangen, konzeptionell zu denken. Und dann habe ich mich auch sehr schwerpunktmäßig im Bereich der Menschen mit geistiger Behinderung und der psychisch Kranken aufgehalten. Mich interessierte zu der Zeit Orthopädie überhaupt nicht.
Das änderte sich aber genau, als dann der Herr Schreibhaus mit seinem Institut für Gesundheitsförderung in mein Leben trat. Der kam aus dem Leistungssport und der sagte: ‚Wir haben immer mehr Menschen, die Bewegungsmangel haben, immer mehr adipöse Menschen, immer mehr Menschen, die Rückenprobleme haben oder einen Unfall hatten, Knie kaputt, Schulter kaputt usw.‘ Das heißt, der war sehr stark auf der orthopädischen Schiene und ich aus dem GB-Bereich und dann haben wir zusammengefunden.
Ich habe dann ehrenamtlich im BSNW mitgemacht mit vielen Leuten und habe dann versucht, das konzeptionell zu entwickeln, und habe gesagt: ‚Wir müssen dann eventuell auch mal überlegen, ob wir nicht von der C-Lizenz in die B-Lizenz mehr Einheiten machen oder differenzierter unterrichten. Was die Zielgruppen angeht, die dort reinkommen.‘
Dann gab es damals, das war dann ganz interessant, einen Kontakt zu Professor Innenmoser. Der war damals auf der Bundesebene der sogenannte Bundeslehrwart. Da haben wir wieder diese berühmte Geschichte in Deutschland: Alle Länder haben dann ihren eigenen Pudding gemacht – und wir auch. Und der Professor Innenmoser war damals der Bundeslehrwart und dann sind wir in Nordrhein-Westfalen in der Person von mir, Ludger Elling, in den Bundeslehrausschuss gegangen. Und dann haben wir mit Professor Innenmoser, der von der Uni Köln kam und natürlich auch noch einen anderen Zugang hatte, wirklich konzeptionell richtig interessant gearbeitet. Und so sind im Prinzip die Profile entstanden.“
„Als ich 2006 aus dem IGF rausgegangen bin, war das supererfolgreich. Ich sage mal eine Zahl: Wir hatten tatsächlich 109 Reha-Gruppen pro Woche. Und das neben anderen Trainingsbereichen, und haben super viele Leute in Arbeit gebracht. Die haben Spaß gehabt und wir haben den Menschen viel geboten, sowohl im Rehasport als auch im Breitensport. Das ist inzwischen komplett zugemacht worden. Der Verwaltungssektor hat im Krankenhaus gesagt: ‚Wir brauchen keinen Sportverein, wir brauchen keinen Rehasport, wir sind ein Krankenhaus.‘
Die haben eine Rieseneinrichtung komplett plattgemacht, um es mal in meinen Worten zu sagen.
Ich war bei der Akademie. Bei der Akademie haben wir langsam angefangen, ich war erst alleine, dann gab es eine Sekretärin dazu. Dann habe ich mehrere Honorarkräfte angestellt, weil wir Lehrgänge hatten. Und dann gab es wieder einen erneuten Boom in der Geschichte des Ludger Elling: Den Boom von Lehrgängen für Physiotherapeuten, für Gymnastiklehrer, weil die alle genau wie ich studiert haben. Man nimmt einen Physiotherapeuten, der hat zwar die Behinderung in der Orthopädie drauf, aber der hat eigentlich nie Sport und Bewegungslehre gemacht und spielerische Sachen gelernt. Der Gymnastiklehrer kann ganz viel spielen und tanzen, hat sportliche Methodik, alles drauf, hat aber nie die Behinderungsbilder gemacht. Und diesen Klientelen haben wir uns gewidmet und haben acht, neun Jahre richtig viele Sonderwege gemacht und haben den Landesverbänden bei den Breitensportlehrgängen geholfen. In Baden-Württemberg, in Bayern, in Leipzig, in Sachsen, jetzt aktuell noch in Bremen. Das hat gut funktioniert, war auch wirtschaftlich sehr erfolgreich. Die DBS war relativ schnell autonom, hat sich also selber getragen. Zu Spitzenzeiten sechs bis acht hauptamtliche Referenten in Vollzeit und ist durch ganz Deutschland getingelt und hat Sonderlehrgänge gemacht, hat Konzepte gemacht, hat aber auch Projekte gemacht. Zum Beispiel: ‚Fußball für Menschen mit Behinderung‘. Ein Thema war die Blindenfußball-Bundesliga, die ich gründen durfte mit einem netten Kollegen, der mit mir das gemacht hat, die jetzt immer noch gut funktioniert. Die hat jetzt der DFB übernommen, weil es so schön erfolgreich ist – aber alles gut. Und ja, wir waren sehr erfolgreich. Wir hatten sehr viel Spaß dabei. Das war dann im Prinzip auch offiziell meine letzte Station. Ich bin dann mit 65 in Rente gegangen. Habe gesagt: ‚Jetzt ist gut gewesen.‘ Und habe das dann an eine Mitarbeiterin übergeben, die dann die Geschäftsführung mit weiteren zwei Sekretärinnen übernommen hat. Problem war: Die Pandemie ist uns dazwischengekommen. Das war richtig, richtig unglücklich. Das haben wir Gott sei Dank mit staatlicher Hilfe und mit Ehrgeiz überstanden. Ich habe aber immer gesagt: ‚Bitte keine Online-Lehrgänge.‘ Das geht im Rehasport für mich nicht. Das ist methodisch-pädagogisch nicht wertvoll. Das ist aber trotzdem gelungen, das wirtschaftlich zu machen. Gut, es war Reduzierung notwendig, wir mussten auch Leute entlassen. Dann habe ich mich zwei Jahre rausgehalten. Und dann habe ich Mitte 2023 einen oder zwei Anrufe bekommen. Man hat mich gefragt: ‚Was ist denn mit der Akademie los?‘ Ich sagte: ‚Weiß ich nicht. Ich bin im Altenteil. Ich freue mich in meinem Garten. Ich freue mich über meine Rosen, meine Hortensien und ich freue mich über meine Freizeit und meine wiederhergestellte Gesundheit.‘ ‚Aber die geht doch insolvent.‘ ‚Nein, das habe ich nicht gehört.‘
Und dann habe ich mich ein bisschen umgehört. Ich habe natürlich noch Kontakt zu ehemaligen Referenten. Zur nachfolgenden Geschäftsführung war kaum Kontakt. Und dann war es wirklich eine wirtschaftlich sehr bedrohliche Lage. Da sind viele Entscheidungen getroffen worden, die wirtschaftlich extrem unglücklich waren. Das ist jetzt vorsichtig ausgedrückt. Und dann hat man innerhalb von einer Woche die kompletten Mitarbeiter entlassen. Auch der Aufsichtsrat hat sich von der Geschäftsführung getrennt und hat mich dann gefragt, ob ich mal gucken könnte, wie das zustande gekommen ist. Das war im Nachhinein einer meiner größten Fehler, dass ich dort zugesagt habe. Ich habe sehr oft ‚Ja‘ gesagt und habe ganz wenige Sachen bedauert: Weder den Abgang in Bottrop, noch die IGF zu verlassen, noch die Akademie zu gründen. Das waren alles Entscheidungen, die würde ich immer wieder so machen. Da habe ich sehr viel Freude und Spaß gehabt. Aber in die DBS-Akademie wieder reinzugucken, das war sehr emotional unglücklich für mich, weil ich gesehen habe, welche Entscheidungen getroffen worden sind. Und jetzt ist es tatsächlich so, dass die Gesellschafter vor wenigen Wochen beschlossen haben, die Akademie zu liquidieren. Da gab es auch kein gemeinsames Interesse der Landesverbände mehr, was ich total schade finde. Ich persönlich würde sie immer noch für sinnvoll halten, sowohl politisch als auch bildungsmäßig. Sie könnte und müsste sehr viel mehr bewegen. Allerdings ist es natürlich so, sie ist momentan wirtschaftlich nicht in der Lage, ohne Zuschüsse wieder ins Leben gerufen zu werden. Und dann habe ich gesagt: ‚Das mache ich noch. Und jetzt habe ich den offiziellen Auftrag, 2025 die Akademie zu liquidieren, was keine lustige Aufgabe ist.‘“
„Der Sport hat im DOSB lange Zeit ein sogenanntes ‚Ein-Platz-Prinzip‘ diskutiert, und da muss man wieder die Historie bemühen. Sie werden keinen Fußballverband in Deutschland aufmachen, egal auf welcher Ebene, und kommen dabei am DFB vorbei. Das war bei der Blindenfußball-Bundesliga so, oder gucken Sie sich die Frauen-Bundesliga an: Fußball ist DFB, Punkt. Das macht der DSV auch so. Das ist der Deutsche Schwimmverband. Die Landessportbünde haben natürlich eine andere Geschichte. Die Landessportbünde müssen natürlich überlegen, die haben die Fachsparten. Und wir im Behindertensport, das war auch das, was ich ganz lange lernen musste, dass wir keine Sportart haben, sondern eine Menschengruppe vertreten. Der DFB vertritt auch die Menschen, aber die Menschen, die Fußball spielen. Wir vertreten Menschen, die Sport machen wollen. Gleichzeitig vertreten wir aber auch sozial-moralische und ethische Ziele, und das tut der DFB auch, in einer Weise, die immer auf eine Sportart fokussiert ist.
Das ist ja bei den Paralympics genau einer dieser Knackpunkte. Und das ist genau der Knackpunkt mit dem SOD. Sie haben recht, es ist diskutiert worden: Sollen die aufgenommen werden? Aber wenn sie SOD aufnehmen, dann müssen Sie natürlich auch den DVGS aufnehmen oder zum Beispiel den Deutschen Fitnesslehrerverband, der aufgenommen ist und im Bereich der Segmente Gesundheitssport, SGB IX, SGB V, wenn dann Mittel verteilt werden, dann haben sie nicht mehr das Ein-Platz-Prinzip. Wenn die nordrhein-westfälische Regierung sagt: ‚Wir wollen Fußball pushen.‘, dann gehen sie an den DFB oder an den Westfälischen Fußball- und Leichtathletikverband ran. Oder nehmen Sie die Turner, die ja in Nordrhein-Westfalen auch zwei Verbände haben. Das ist immer wieder diese Herausforderung des Föderalismus, das ist die politische Ebene. Und die inhaltliche Geschichte: Wenn ein Verband sagt: ‚Ich kümmere mich auch um Menschen mit Behinderung.‘ Special Olympics hat lange Zeit gesagt: ‚Die Menschen mit geistiger Behinderung gehören uns.‘
Davor hatten wir aber schon ganz viele Gruppen und Vereine, die sich um Menschen mit geistiger Behinderung gekümmert haben. Mir ist das vollkommen egal, ob das die Caritas macht, der SOD macht, welcher Verband das macht. Mich interessieren die zehn Gruppen, die ich da morgens geleitet habe, und dass die Menschen mit Spaß nach Hause gingen.
Jetzt sind wir wieder bei diesen Parallelen. Mit dieser Diskussion muss ich auch nicht mehr kommen, wenn wir momentan über die DBS-Akademie reden. Da reden wir darüber: Wer würde jetzt die Summe X reinstellen, damit irgendein Geschäftsführer mit ein, zwei Referenten wieder anfangen kann, Lehrgänge zu machen? Die gesamte Sportwelt beklagt sich darüber, dass sie zu wenig Ehrenamt hat, zu wenig Übungsleiter, die qualifiziert sind und pädagogisch ausgebildet. Und dann kommen diese politischen Diskussionen zustande, und von daher kann ich diese Diskussion von Herrn Schäfer total nachvollziehen. Das war ein politisches Gerangel, um Plätze zu besetzen, und da ging es dann um Politik und um Geld. Und da bin ich ganz ehrlich, es ist vielleicht sehr hart, wenn ich das jetzt so ausdrücke: Das war mir und das ist mir heute noch zuwider, weil es mir und meinen Prinzipien widerspricht.“