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Karl-Heinz Thielen

*1940
Effzeh Legende

Nach seinem Wechsel vom TSV Rodenkirchen zum 1. FC Köln im Jahr 1959 prägte Thielen als Spieler und später als Manager in diversen Funktionen die erfolgreichsten Jahre des Effzeh. Bis heute ist Thielen eng mit dem FC Köln verbunden und gilt als einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Persönlichkeiten in der Vereinsgeschichte.

Kurzbiografie

  • Geboren 1940 in Ariendorf, Bad Hönningen
  • 1950-1959 TSV Rodenkirchen (Jugend)
  • 1959-1973 1. FC Köln (Insgesamt absolvierte Thielen 401 Pflichtspiele für seinen Effzeh)
  • 1966 Abschluss: Diplom-Kaufmann, nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln
  • Saison 1961/62 Torschützenkönig der Oberliga West; in dieselbe Spielzeit fällt auch die erste Deutsche Meisterschaft des 1. FC Köln
  • 1964 Deutsche Meisterschaft
  • 1968 DFB-Pokalsieger
  • 1973-1981 Geschäftsführer des 1. FC Köln
  • 1981-1987 Ehrenamtlicher Vizepräsident und Schatzmeister des 1. FC Köln, zwischen 1983 und 1986 wieder Manager
  • 1981-2006 Selbstständiger Bezirksleiter bei Nordwestlotto
  • 1989-1991 Sportdirektor von Fortuna Düsseldorf
  • 1991-1995 In zwei Perioden Mitglied des Verwaltungsrates des 1. FC Köln (21. November 1991 bis 15. November 1992 sowie vom 1. September 1993 bis 5. Dezember 1995)
  • 1992-1993 Manager des 1. FC Köln
  • 2007-2015 Gründungspräsident der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV)

Karl Heinz-Thielen über …

… seine Kindheit und den Wechsel zum Effzeh

: „Aufgewachsen bin ich in Rheinland-Pfalz, und zwar in Bad Hönningen, in einem Nebendorf namens Ariendorf. Eine Rolle hat immer etwas gespielt, was ich treten konnte. Das ist bei Jungs, glaube ich, normal. Als ich neun Jahre alt war, sind meine Eltern nach Köln-Rodenkirchen gezogen. Das war für mich ein Glücksfall. Und nach dem Schulbesuch diverser Schulen hatte ich dann in Rodenkirchen die Chance, um in der Jugend zu spielen. Das war ein Volltreffer von vorne bis hinten. Ich habe über 100 Tore geschossen und dann sind andere Leute auf mich aufmerksam geworden. Wir waren keine reichen Leute. Ich hatte dann Probleme mit den Fußballschuhen. Der Verein in Rodenkirchen hat sie mir dann geschenkt.

Aber die Mannschaft war darüber erzürnt, weil sie sahen: Der Schnösel kriegt in einem Jahr schon Schuhe und wir spielen schon was weiß ich, wie viele Jahre – für uns gibt nichts. Das hat sich aber so entwickelt, dass ich gesagt habe: ‚Gut, ich spiele nicht mehr für euch.‘

Ich hatte dann das Glück, dass ein gewisser Paul Eich, der beim FC in der Amateurmannschaft spielte, mich gut kannte und mich überredete, beim FC ein Probespiel zu machen. Das wollte ich nicht. Ich wollte mich nicht blamieren. Aber nachher hat er mich doch weichgeklopft. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Das erste Spiel haben wir am Geißbockheim gemacht, zur Halbzeit 4:0. Ich hatte alle vier Tore geschossen. Abends die erste Mannschaft: Landesliga – habe ich fünf Tore geschossen. Zwei Tage später dasselbe noch mal. Beim zweiten Tag war alles da, was Rang und Namen vom FC hatte, damals Franz Krämer. Die waren alle da. Und nach einer Woche Vereinslosigkeit hatte ich dann plötzlich einen Vertrag beim 1. FC Köln. Es war Glück ohne Ende, aber auch ein bisschen Können.

Die Bedingungen damals beim TSV Rodenkirchen, wie bei allen anderen Klubs, waren das Problem. Die Qualität der Plätze war eine Katastrophe. Und ich glaube, heute ist Nordrhein-Westfalen noch das einzige Land, das noch Aschenplätze hat. Und wenn wir dann zwischendurch mal als Amateur vom 1. FC Köln nach Holland gefahren sind und gesehen haben, was die für Plätze hatten, dann waren wir schon unzufrieden. Und ich glaube, dieser Drang, wenn etwas daliegt, dagegen zu treten, der ist für Jungs ganz normal. Wir hatten keinen richtigen Ball. Wir haben erst mal mit Stoffbällen gespielt. Und später gab es dann einen Lederball – das war aber eine Katastrophe, weil bei Kopfbällen und nassem Gelände du dann sehen konntest, wenn du den Ball geköpft hast, weil der zugeschnürt war. Das war eine Katastrophe.

Wenn ich sehe, heute schaffen die Torleute es, den Ball aus dem Stadion zu schießen, wenn sie wollen. Das ist unglaublich. Früher konntest du diesen Ball als Abstoß nicht über die Mittellinie bringen. Wer das konnte, der war schon ein Ausnahmespieler. Aber wie gesagt, es entwickelt sich alles, auch im Fußball. Gott sei Dank.“

… seine Vorbilder

„Damals waren die Vorbilder eigentlich die Walter-Brüder aus Kaiserslautern. Und ich bin ja gebürtig aus dieser Gegend und ich war auch Kaiserslautern-Fan, bis ich dann mit neun Jahren nach Köln kam. Und dann wurde ich FC-Fan. Was in Rodenkirchen nicht normal war. Warum? Alle Leute waren Schalke-Fans. Wir haben keinen FC-Fan gehabt, weil der FC noch keine Titel hatte, gar nichts. Und die Schalker waren schon sieben Mal Deutscher Meister, die Nürnberger auch. Also waren alle Schalke-Fans, was ich nicht verstehen konnte.
Und dann? Als ich zum Probetraining bin, habe ich ja nur in einer Amateurmannschaft gespielt, damit ich nicht gesperrt wurde. Denn der Wolfgang Overath, der Wolfgang Weber, die konnten ein Jahr nicht spielen. Das war damals Gesetz. War ja Quatsch, aber so war es. Und ich wollte das nicht. Und deshalb habe ich bei den Amateuren angefangen, aber bei den Lizenzspielern trainiert. Und am Schluss, als die Zeit vorbei war, auch dort mitgespielt. Das erste Spiel war in Oberhausen. Das war nicht einfach.
Ich hatte das Glück, mit Weltspielern zu spielen. Ernst Schäfer war ein Ausnahmespieler. Der Helmut Rahn war bei uns ein Ausnahmespieler. Der Jupp Röhrig war ein Ausnahmespieler. Der Karl-Heinz Schnellinger, ein Ausnahmespieler. Der Leo Wilden, ein Ausnahmespieler. Da ist es nicht einfach, als junger Mann mit denen zu trainieren. Dann sage ich immer: Das war die Zeit, wo ich in Rodenkirchen jeden Monat zum Augenarzt gelaufen bin, weil ich beim Training immer gehört habe: ‚Da kütt der Blinde wieder!‘ Das war natürlich Kölner Humor, aber in einem halben Jahr hatte sich das gelegt. Dann konnte ich mich wehren. Habe den Rahn auch mal weggeputzt. Und dann hast du eine Entwicklung gemacht. Denn Fußball ist ein körperliches Spiel. Da musst du auch mal hinlangen. Das ist so, aber das musst du lernen. Und ansonsten war es ein Glück, mit solchen Spielern zu spielen. Das habe ich immer gesagt. Ich habe viele Glücksmomente gehabt. Der Glücksmoment war auch das, dass ich diese ganzen jungen Spieler hatte oder auch diese drei Weltspieler, die ich eben genannt habe.
Aber wieso bist du der erste, der das gemacht hat? Das habe ich mich immer gefragt. Ich meine, alle haben auf die Jugend gesetzt, aber du wolltest eben die Besten haben. Und dann habe ich gedacht: Ich glaube, zwei Dinge haben mir geholfen. Einmal diese Zeit mit diesen Assen. Als junger Mann habe ich da gelernt. Später, ich habe ja eine Karriere gehabt, die aus zwei Teilen bestand. Ich war sechs Jahre Stürmer und wollte alle Rekorde brechen – das habe ich auch zu dieser Zeit. Dann bin ich aufgrund der Bitte vom Trainer Abwehrspieler geworden, weil wir keinen Abwehrspieler hatten. Wir hatten Spieler vorne, Mittelfeldspieler, Weltklassestürmer – alles, aber keine Abwehrspieler. Da hatte der FC einen Fehler gemacht damals. Und dann habe ich sechs Jahre in der Abwehr gespielt. Summa summarum, wie man so sagt: Ich habe gelernt als Stürmer und gelernt als Abwehrspieler. Und deshalb habe ich auch so wenig Fehleinkäufe gemacht. Ich konnte sehr gut beurteilen: Ist der wirklich gut, dieser Abwehrspieler? Ist der seriös oder ist das ein Larifari? Dieser Stürmer? Läuft er wirklich, bis er nicht mehr kann? Usw. Also diese Vergangenheit hat mir in der Zukunft sehr geholfen.“

… Talentscouting in anderen Zeiten

„Die Talentsuche haben wir eigentlich nicht organisiert. Wir haben das gemacht, weil wir von überall Tipps bekommen haben. In erster Linie natürlich die Jungs aus der Umgebung, weil die ja mit unserer Jugend gespielt haben.
Dann ging es um die Deutsche Meisterschaft. Das war damals so, dass die Weltmeisterschaft in Mexiko war. Da waren vier, fünf Spieler von uns im Kader der Nationalmannschaft. Unsere beiden Trainer Hennes Weisweiler und Hannes Löhr sind natürlich auch dahin. Sie waren gerade Deutsche Meister und Pokalsieger geworden. Ich habe immer in dieser Zeit die Endrunde der A-Jugend beobachtet. Das habe ich immer gemacht. Und als wir in Berlin mit unserer Mannschaft gespielt haben, die wirklich gut war, dann haben wir verloren. Und der Kurt Werner, der war für diese Abteilung zuständig, meinte: ‚Hör mal, die Berliner, die haben einen, der ist richtig gut, den musst du dir unbedingt mal angucken.‘ Wir haben uns gesiezt.
Dann kam das Rückspiel. Da haben wir 5:3 verloren. Der Pierre hatte drei Tore gemacht. Und dann habe ich gesagt: ‚Das müssen wir heute über die Bühne kriegen!‘ Und dann haben wir als großer FC die natürlich alle zum Essen eingeladen. Das wäre auch geschehen ohne den Littbarski. Aber das war normal. Der FC war ein großer Klub. Wir haben jedenfalls manchmal so getan. Wir haben die ganze Truppe aus Berlin, das war ja ein armer Verein, zum Essen eingeladen. Und bei der Gelegenheit habe ich dann gesagt: ‚Ich sitze dann im Vorstandszimmer und einer von euch muss mir den Pierre Littbarski vorstellen.‘ Ich hatte da ein paar Leute, auf die konnte ich mich wirklich verlassen. Dann haben die das gemacht und dann habe ich dem Littbarski gesagt: ‚Toll gespielt! Was ist dann die Zukunft? Ich habe gehört, du willst keinen Vertrag haben?‘ ‚Was? Wer sagt das?‘ ‚Das sagt dein Trainer.‘ Der Trainer war früher bei uns Spieler gewesen. ‚Und?‘ ‚Ja.‘ ‚Wenn du willst, kannst du bei uns unterschreiben. Und zwar bis Mittwoch muss es passieren, weil ich am Donnerstag in den Urlaub fahre. Aber ich sage dir, du hast mir so gut gefallen, da wäre ich der traurigste Mensch, wenn das nicht klappt.‘
Wie es dann genau geklappt hat, das möchte ich jetzt nicht sagen, aber es hat dann geklappt. Seine Betreuer, die waren auch da. Da war einer, der auf ihn aufgepasst hat und so. Ja, den habe ich dann im Sack gehabt und dann war das alles nur noch Formsache. So ging das mit den anderen auch.
Bernd Schuster war der Trainer der A-Jugend-Nationalmannschaft. Der Wittmeier, genannt ‘der Experte’, er war immer freundlich und ein super Mann. Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu ihm. Und wenn in der A-Jugend-Nationalmannschaft was war, hat er mich immer angerufen. Das waren die Drähte.
Es war also nicht so, dass du jetzt mit so einem Blatt kommst und sagst: Der macht das und der macht das. Den Wittmeier hatten wir freundschaftlich im Sack. Und bei dem Bernd Schuster hat das dann länger gedauert. Die Gladbacher haben sich dann an ihn herangemacht, und was weiß ich. Und dann habe ich dem Wittmeier gesagt: ‚Du musst kommen, der kommt dann und dann zu uns, und dann kommst du bitte in mein Büro und begrüßt den. Der ist dein Libero.‘ Er sagte: ‚Mache ich!‘ Weil er mit dem Hennes auch Karten gespielt hat und so. Und dann bin ich mit dem Bernd und er sollte unterschreiben, das hat er nicht gemacht. Das war ihm zu wenig, denn er hat schon von seinem eigenen Club ein Auto. Die haben alle geschlafen, alle. Aber die haben dann gemerkt: Die Gladbacher haben ihm, was weiß ich, was geboten und dem Verein, wo er war, 600.000 Mark, wenn er da hingeht. Es war also höchste Eisenbahn. Ich dachte, ich kriege ihn nicht mehr. Und dann war er da. Und dann kütt der Wittmeier rein und sagt: ‚Bernd, was machst du denn hier? Sag bloß, du gehst zum 1. FC Köln. Das ist aber unglaublich! Das hast du aber gut gemacht. Da freue ich mich aber!‘ Unterschrieben. Fertig, ab.“

 

… wirtschaftliche Entscheidungen und den ersten Millionentransfer der BL-Geschichte

„Es ist ja so, dass ich ein sehr junger Manager war. Und er ist schon ein sehr alter Trainer gewesen, der schon, weiß ich nicht, wie oft – mit Gladbach Meister geworden ist. Und ich wusste: Das wird von der Reputation und von der Zusammenarbeit her nicht einfach. Aber ich habe ihn auch aus folgendem Grund geholt. Das habe ich ihm damals auch gesagt: ‚Ich habe dich geholt, weil ich glaube, du bist der einzige Trainer, der mit dem Karnevalsclub noch mal Deutscher Meister werden kann.‘
Also, ich war schon offen ihm gegenüber. Aber ich wusste: Der Vorstand war immer auf meiner Seite. Deshalb wusste ich, wenn mal ein Problem kommt, dann werden die drei sich ihm nähern. Weil er eben der große Weisweiler ist und so. Und die ganzen Stürmer, die ich schon geholt habe, die zählen dann nicht. Du willst ja nicht einen Trainer verpflichten, wo ganz Köln gesagt hat: ‚Gott sei Dank!‘ Und dann fängst du mit dem Krach an. Das geht auch nicht. Es war eine ganz schwierige Situation damals, das muss ich sagen.

Und dann haben wir das gemacht mit dem Roger, und dann war der Preis 1,6 Millionen, und dann hatte ich mit ihm gesprochen. Es war ja auch wichtig, ihn kennenzulernen, weil er ein netter Junge war. Das spielt ja auch immer eine Rolle. Und dann habe ich gesagt: ‚1 Million ist Maximum! Ich habe nicht fünf Jahre gespart und die Spieler verkloppt, damit ich das Geld jetzt den Belgiern gebe – mache ich nicht!‘ Und dann sind wir hingefahren und der Vorstand war natürlich informiert, auch über die Zahlen. Und da ist der Schatzmeister, der Klaus Hartmann, mit mir dahingefahren. Ich habe gesagt: ‚Pass auf, das entscheide ich nicht alleine, angesichts dieser Bedeutung, da musst du dabei sein.‘
Und wenn eine Entscheidung fällt, dann ist auch der Vorstand nicht nur ich alleine gegen den Weisweiler. Dann sind wir alle in dieser Position. Dann ist der mitgefahren und dann war das ein Theater: Der Bürgermeister, und alle waren da. Dann wollten sie 1,6 Millionen haben. Dann habe ich gesagt: ‚Gut, wenn das so ist, dann sagen wir Nein. Sage ich Nein.‘ Wir hatten das auch im Vorstand besprochen. Ja, und dann habe ich gesagt: Roger, die wollen das Geld haben. Und dann sagte er: ‚Moment, lass mich mal.‘ Da ist der da reingegangen und sagte: ‚Passt auf, ihr kriegt so viel Geld, wie noch nie ein Spieler gekostet hat. Und 1 Million ist Maximum. Und wenn Sie mich nicht laufen lassen, dann höre ich auf, Fußball zu spielen. Hier sind meine Schuhe. Ich spiele nicht mehr.‘ Dann ist das gelaufen – haben wir den für 1 Million gekriegt, sind dann nach Hause gefahren. Der Klaus Hartmann, der Schwatzmeister war, und ich. Der hatte jetzt 1 Million weniger. Und das hat ihn schon nachdenklich gemacht. Dann habe ich ihm gesagt: ‚Klaus, wenn du wirklich gesundheitliche Probleme hast wegen dieses Transfers, mach die Schiebetür auf und schmeiß den Vertrag aus dem Fenster raus!‘ Da hat er gelacht und dann war es gerettet. Dann ist er Gott sei Dank gut eingeschlagen. Aber der Spieler, den ich wollte, den Benny Wendt, der hat uns alleine weggeputzt. Wir haben dann bei dem Stande von zwölf zu null Punkten für uns, damals gab es immer zwei Punkte, haben wir dann gegen eine Mannschaft aus Berlin, Tennis Borussia oder was gespielt. An die hatten wir den Benny Gott sei Dank verliehen für 100.000 DM. Das war da eine ungeheure Summe. Normal waren das 5000 DM, 6000 DM, 10.000 DM oder so. Und ich war froh, dass ich ihn untergebracht habe. Denn die Zeitungen hatten katastrophale Titel: Der Thielen hätte einen Eisenbieger gekauft, aber Fußball spielen kann der überhaupt nicht.
Ich habe das genau anders gesehen. Das war so ein Mittelstürmer, wie ich mir den vorstelle. Und dann haben wir da gespielt. Herbert Zimmermann, Nationalspieler, linker Verteidiger, musste gegen den Benny Wendt spielen. Da haben wir das erste Spiel 2:3 verloren. Zwei Tore von Benny Wendt. Den konntest du nicht halten. Der hat den Herbert mitgeschleift. Und dann sagte ich zum Hennes: ‚Ich habe dir gesagt, das ist ein guter Spieler!‘ ‚Jetzt ist es, wie es ist. Jetzt müssen wir das nächste Spiel gewinnen.‘ Und ich war gerettet vom Ruf. Denn die ganze Presse war gegen mich: Der große Weisweiler schickt den Eisenbieger nach Hause oder so. Ja, manchmal muss man auch Glück haben.“

… die Verpflichtung von Christoph Daum als Trainer

: „Das war so, dass wir mit den Nachfolgern von Weisweiler Pech hatten. Der Heddergott hat es nicht geschafft, obwohl ich mit ihm Deutscher Meister der Amateure geworden bin. Ich habe gesagt: ‚Das ist der größte Trainer.‘ Aber mit Profis konnte er nicht umgehen. Dann der Keßler, der war ein Blender. Und dann haben der Michael Meier und ich gesagt: ‚Wir müssen es mit einem versuchen, den wir kennen, der hier groß geworden ist.‘ Und dann haben wir zwei Trainer im Visier gehabt. Das eine war der Heinz Hornig, weil der auch überall in seinen Ligen Erfolg hatte, auch Ahnung hatte. Und der andere war der Christoph. Und der Michael Meier hat den Christoph genommen und ich habe den Hornig genommen. Und dann haben wir Plus-Minus gemacht. Es hat eine Stunde gedauert und dann hatte der Christoph nachher die meisten Pluspunkte – theoretisch. Aber dann ist es ihm gelungen, sich über Wasser zu halten. Und als es dann ein bisschen schwierig geworden ist, dann haben unsere Nachfolger den Udo Lattek zur Hilfe genommen. Das war eine kluge Entscheidung. Aber da der leider viel getrunken hat, war das auch nur eine kurzfristige Sache.
Dann hat der Christoph Daum sich ja durchgesetzt. Man muss ja sagen, er hat Erfolg gehabt. Er hat auch in der Jugend immer Erfolg gehabt. Er kam immer wieder mit etwas Neuem. Er war kein langweiliger Trainer. Er hat immer überlegt: Wie kann ich was machen? Das war ein Volltreffer.
Und ich weiß noch wie heute: Damals war das Verhältnis zum Aufsichtsrat aus verschiedenen Gründen nicht mehr so gut. Da spielte auch der Pizanti eine Rolle, mit der Art und Weise, wie wir das finanziell gemacht haben. Das war völlig in Ordnung. Aber dann hattest du plötzlich jemanden, der alles angezweifelt hat, und die Jungs, die dann da oben in den großen Firmen sitzen, die hatten sowieso keine Ahnung von den Details. Tja, die haben dann gesagt: ‚Vielleicht ist er doch nicht so koscher, der Thielen.‘ Und dann ist das auseinandergegangen.
Christoph hat sich dann wirklich gut entwickelt. Bis dann die Geschichte in Rom mit dem Beckenbauer kam.
Ich meine, wir wussten nicht, dass er so einschlägt. Aber dass er erfolgreich ist und sich immer was Neues einfallen lässt, das war uns klar. Das hatte er schon als Jugendtrainer. Als ich den zum Jugendtrainer gemacht habe, ist er eines Tages zu mir ins Büro gekommen: ‚Herr Thielen, kann ich Sie mal sprechen?‘ ‚Ja, klar.‘ ‚Ich möchte Ihnen jetzt zeigen, was ich alles mit der Jugend vorhabe.‘ Ich sage: ‚Komm, wir gehen jetzt um den Weiher rum und dann erzählst du mir alles, was du willst.‘ Dann hatte er mir von der D- und von der F-Jugend und von der E-Jugend alles erzählt. Dann sagte ich: ‚Christoph, pass auf. Ich sage dir jetzt zwei Dinge: Das interessiert mich schon. Aber nicht so, dass du mir alles sagen musst. Ich weiß, dass du das tust und dass du das gut machen wirst. Ich will nur zwei Dinge. Ich will jedes Jahr zwei Lizenzspieler aus der A-Jugend von dir haben. Immer zwei klasse Leute! Das ist das Erste. Und das Zweite ist: Entweder wirst du Meister oder Zweiter.‘
Das habe ich wegen des Alters gesagt. Das habe ich schon mal erklärt. Es gab den jüngeren Jahrgang, die waren natürlich körperlich schwächer, und es gab den älteren. Ja, und wer den älteren Jahrgang hatte, der ist dann Meister geworden, unabhängig von der Qualität der Spieler. Deshalb sagte ich: ‚Ich will zwei Spieler, das ist deine Aufgabe, und dass wir entweder Meister sind oder Zweiter.‘ Er hatte das verstanden. Hatte die ganzen Sachen eingepackt.
Aber er hat immer versucht Lösungen zu finden, das muss man sagen, bis zum Schluss. Der einzige schwarze Punkt, das sage ich: Wenn ich im Club geblieben wäre, wäre das nicht passiert. Weil ich ja wusste, was sich in dem Bonotel abspielte. Ich habe ja auch Angebote gekriegt. (…) Ich hätte gesagt: ‚Du kannst jetzt wählen. Wenn du noch mal so was machst, werden wir nie mehr dieses Hotel besuchen. Dann verdienst du keinen Pfennig mehr.‘ Schade, er wäre bestimmt Nationaltrainer geworden.“

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